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Samstag, 11. Juli 2020

Tjaden tappt (517)

Die kontaktlose Gesundheitsministerin

Bei jedem Kontakt müsse man sich fragen, ob dieser wirklich notwendig sei oder ob nicht auch ein Telefonat, eine E-Mail oder gar ein Brief ausreiche, sagte Schröder. Dies solle deutlich machen, dass es trotz des momentan überschaubaren Infektionsgeschehens in Niedersachsen wichtig zur weiteren Eindämmung der Pandemie sei, die eigenen Kontakte zu beschränken. "Wir halten es für sinnvoll und wichtig, immer wieder daran zu erinnern, dass das auch weiterhin gilt", sagte Schröder.

Meldet der Norddeutsche Rundfunk.  Yesterday. All my troubles seemed so far away. 

Was für die niedersächsische Gesundheitsministerin Claudia Schröder sinnvoll und wichtig ist, gibt es jetzt thematisch geordnet. Sie selbst kommt in dieser Verordnungsübersicht zweimal vor. Einmal unter Claudia und das zweite Mal unter Schröder-mit dem Hinweis, dass sie mit Gerhard Schröder weder verwandt noch verschwägert ist.  

Der hätte das Corona-Virus überschaubarer bekämpft.  Bei dem hätte der Satz "Chinesische Viren raus aus Deutschland-und zwar sofort" genügt. Wäre das doch nicht ausreichend gewesen, hätte er Grippe-Virus IV erfunden. Als letzte Möglichkeit wären ihm möglicherweise Scheidungen eingefallen. Die reduzieren Kontakte ganz erheblich. 

Auf einen Kontakt will Claudia Schröder allerdings nicht verzichten. Auf den textilen Kontakt mit Mund und Nase. Dabei würde ich immer häufiger meiner Mund-Nase-Bedeckung beim Einkauf gern eine mail schicken, sie anrufen oder ihr schreiben.  "Siehst du in diesem Gang noch andere Kunden?", würde ich sie fragen. Und "Warum bin ich hier eigentlich der Einzige, der Mund und Nase bedeckt? Machen die Verkäuferinnen und Verkäufer doch auch nicht."

Und schon würde vor Supermärkten wieder auf einem Schild stehen, dass die Kundenzahl begrenzt ist. Ich würde mein Gesicht zeigen wie das Personal. Ich könnte wieder ein Lächeln verschenken. Und da es in Supermärkten schon lange nicht mehr nach Desinfektionsmitteln riecht, könnte ich sogar durchatmen. 

Es könnte so einfach sein, wenn Claudia Schröder gelegentlich einmal den Kontakt mit der Wirklichkeit suchen würde. Nichts müsste mehr thematisch geordnet werden, weil nur noch der Satz "Seien wir einmal ehrlich, Leben war schon immer lebensgefährlich" gelten würde. 

Übrigens: Was die Mund-Nase-Bedeckung bewirkt, ist umstrittener denn je. Plötzlich behaupten Virologen, dass sie mich schützt, während es vor noch gar nicht so langer Zeit hieß, dass sie die anderen schützt. Damals habe ich demnach also das Personal noch geschützt, das mit mir allein im Supermarkt war. Das fand ich gelegentlich sogar nett von mir. 

Sonntag, 28. Juni 2020

Tjaden tappt (511)

Fotografiert am
25. März 2020
Wie war das noch im März und April?

Einige von uns erinnern sich vielleicht noch daran: Auch in Niedersachsen wird am 25. April die MSTO-Verordnung eingeführt (MSTO=Maske, Schal, Tuch oder Ähnliches). In den Supermarkt dürfen wir nur noch mit Einkaufswagen und mit Mund-Nase-Bedeckung, die Zahl der Kundinnen und Kunden, die im Supermarkt sein dürfen, wird schon im März begrenzt. Die Kassiererinnen und Kassierer sitzen hinter Plexiglas, tragen Einweghandschule, wer mit Bargeld bezahlt, muss die Scheine und Münzen in eine Plastikschüssel legen, das Wechselgeld kommt ebenfalls in die Plastikschüssel. Einkaufswagen werden regelmäßig desinfiziert.

Bei Einkaufswagen und Mund-Nase-Bedeckung ist es geblieben, doch an der Kasse trägt niemand mehr Einweghandschuhe, Bargeld wechselt von Hand zu Hand die Besitzerin und den Besitzer, wenn jemand etwas vergessen hat, rennt er durch den Laden und besorgt sich das Vergessene, Desinfektionsmittel sind verschwunden. Und täglich sinkt die Zahl der registrierten Infizierten und liegt derzeit angeblich bei 124, wenn man den Statistikern glauben würde, wären immer mehr Kommunen in der Region Hannover Corona-frei. 

Doch die Statistik lügt. Nach dem Tönnies-Skandal steigt in Gütersloh mit der Zahl der Tests die Zahl der Infizierten. Die meisten haben keine Symptome, hätten ohne Test also nie erfahren, dass sie infiziert sind und andere möglicherweise angesteckt haben. In jeder Statistik werden also falsche Zahlen mit falschen Zahlen verglichen. In der Region Hannover sollen von 2775 registrierten Infizierten 116 gestorben sein. Das wären ungefähr vier Prozent. 

Bayern will Corona-Tests für alle anbieten. Vielleicht führt das Ergebnis zu einer Politik, die aus verlässlicheren Zahlen Maßnahmen ableitet, die länger im Gedächtnis bleiben als die bisherigen, weil sie fundierter sind. 



Dienstag, 9. Juni 2020

Tjaden tappt (505)

Hier klicken.
Die Wedemark missachtet Abstandsregeln

Vor den Supermärkten in Burgdorf rücken die Menschen wieder näher zusammen. Ich schiebe meinen Einkaufswagen zu dem Plastikhäuschen und kette ihn an. Ich gehe einen Schritt zurück, ein Einkaufswagen berührt mich, ich drehe mich um, will nach links gehen, kann ich nicht, jemand mit Einkaufswagen steht mir im Weg, auch rechts ist kaum ein Durchkommen, doch ich schaffe es, schon kommt mir jemand mit Einkaufswagen entgegen. 

Auch im Gewerbegebiet von Großburgwedel rücken die Menschen wieder näher zusammen. Vor einem Betriebskindergarten macht die Wedemark Stellenangebote für Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Gemeinde. Der CDU gefällt das allerdings nicht. Sie pocht in einer Pressemitteilung auf die Abstandsregeln während der Corona-Bewährungsprobe. Die dort aufgestellte bunte Werbetafel hält der CDU-Vorsitzende Marc Sinner für einen "unfreundlichen Akt".  "Unfreundlicher Akt" ist wohl so was ähnliches wie eine Schmierinfektion.

Virologen sagen zwar, dass es die beim Corona-Virus kaum gibt, trotzdem gehen Desinfektionsmittel weg wie Toilettenpapier. Deswegen mein Vorschlag: Die Burgwedeler CDU verhüllt diese Werbung erst einmal mit Toilettenpapier und desinfiziert sie minütlich.



Samstag, 2. Mai 2020

Tjaden tappt (490)

Meine MSTO-Maske wird nicht
zurückgerufen. 
Gegen diese Masken kann man nichts machen?

Meine MSTO-Bedeckung regt zu Gesprächen an. Heute in einem Supermarkt. Die Frau trägt eine FFP2-Maske und bestätigt mir, dass die Masken, die wir kaufen können, nicht sicher sind.

"Stimmt", sagt sie. "Aber wir können ja doch nichts machen, wenn das angeordnet wird."

Die "Schwäbische Zeitung" titelt heute "Wer die FFP2-Maske trägt, schützt andere nicht". Ein Rettungssanitäter aus Hannover hat schon vor der Einführung der MSTO-Verordnung vor dem Tragen dieser Maske gewarnt. 

Und was ist mit den so genannten "Alltagsmasken"? Für in China hergestellte gibt es schon Rückrufaktionen, wer diese Masken vorschriftsmäßig reinigen will, kennt keine Langeweile mehr.  Fehler wird er trotzdem machen und sich so in Gefahr bringen.

Da trage ich doch lieber meine MSTO-Bedeckung und rege die Leute zu Gesprächen an. 

Samstag, 18. April 2020

Tjaden tappt (480)

Hat dieser Räuber vor fünf Jahren
schon vorausgesehen, was die
Polizeigewerkschaft am 18 April 2020
für alle fordert?
Polizeigewerkschaft mag Maskierte

Mit dieser Expertenmeinung hat niemand gerechnet. Doch nun liegt sie den Medien vor und wird somit verbreitet. Die Polizeigewerkschaft fordert während der Corona-Bewährungsprobe eine Masken-Pflicht in allen Bundesländern. 

Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern führen diese Masken-Pflicht bereits ein. Die Bundeskanzlerin ist noch der Meinung, dass Masken in Supermärkten, Bussen und Bahnen angeraten sein können, setzt aber weiter auf Freiwilligkeit. 

Das kann der Polizeigewerkschaft natürlich nicht gefallen. Denn die meisten Räuber maskieren sich freiwillig. Sie sind aber zweifellos schlechte Vorbilder für politisches Handeln.

Die Polizeigewerkschaft räumt ein, dass maskierte Räuber von maskierten Supermarkt-Kunden, Bahn- und Bus-Reisenden nur schwer zu unterscheiden sind und schlägt deshalb vor, dass jede Maske vor dem Tragen von der Polizei codiert werden muss. 

Betritt jemand einen Supermarkt, einen Bus oder eine Bahn, soll dieser Code eingescannt und an das Bundeskriminalamt weitergeleitet werden.  Kommt es zu einem Überfall, sollen alle, die sich zur Tatzeit in diesem Supermarkt, in diesem Bus oder in dieser Bahn befunden haben, vorläufig in Gewahrsam genommen werden. 

Bei Demonstrationen gilt die Masken-Pflicht nicht, dann gilt weiterhin das Vermummungsverbot. 

Samstag, 4. April 2020

Tjaden tappt (469)

Dickerchen muss telefonieren

Dickerchen hat an der Kasse seinen Einkaufswagen voll beladen. Eine Lücke gibt es vielleicht noch zwischen oberstem Stapel und Supermarkt-Decke. Nun macht Dickerchen noch zwei Schritte. Die ältere Dame, die hinter ihm gewartet hat, hat Mühe, ihren Einkauf auf das Band zu legen. Da Dickerchen aber nicht nur den schmalen Gang an der Kasse versperrt, sondern auch den Gang, der zur Kasse führt, staut sich der Einkaufswagen-Verkehr. 

Das stört Dickerchen nicht. Dickerchen holt sein Handy aus der Hosentasche und zielt mit seinen Wurstfingern auf die Tasten. Nicht immer trifft er. Deshalb bekommt er keinen Anschluss. Die ältere Dame hinter ihm möchte gern ihren Einkauf bezahlen. Immerhin: Dickerchen macht noch einen Schritt. Drei Schritte in zwei Minuten. Das strengt an. Dickerchen trifft nun auf seinem Handy keine Taste mehr. 

Der Stau vor ihm löst sich auf. Alle kehren um. Dickerchen bleibt und nimmt das Handy in die andere Hand. Erfolg ist ihm trotzdem nicht beschieden. Auch ich lege mit meinem Einkaufswagen den Rückwärtsgang ein. Dickerchen ist wahrscheinlich immer noch im Supermarkt. Vielleicht hat er inzwischen auch den vierten Schritt geschafft. Wundern würde mich das aber. 


Corona-Virus (II)

Im Facebook
gefunden am
20. März 2020
Burgwedel-20. März 2020. Supermärkte, Wochenmärkte, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte dürfen auch sonn- und feiertags geöffnet sein. Das hat die Stadt Burgwedel verfügt. Diese Allgemeinverfügung gilt auch für Abhol- und Lieferdienste und für den Zeitungsverkauf.

Burgdorf-20. März 2020. Kleine Corona-Geschichten ohne den nötigen Abstand. Hier lesen

Region Hannover-21. März 2020. Angeblich ist heute Nacht in Langenhagen ein Flugzeug mit 160 Corona-Patienten gelandet. Dieses Gerücht ist falsch, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Region Hannover von heute Morgen. An Bord gewesen sei ein Passagier, der über Corona-Symptome im Urlaub berichtet habe. Seine Sitznachbarn und er wurden vorsorglich isoliert. Alle anderen Passagiere konnten den Heimweg antreten.

Burgdorf-21. März 2020. Im öffentlichen Bücherschrank von Burgdorf alles über das Corona-Virus. Hier lesen 

Region Hannover-22. März 2020. Ein 70- und ein 84-Jähriger sind im Krankenhaus gestorben.

Burgdorf-22. März 2020. Bürgermeister Armin Pollehn will bei einem Stadtrundgang festgestellt haben, dass in allen geöffneten Geschäften auf die Abstandsregel hingewiesen wird. Das stimmt nicht. Uneinigkeit besteht außerdem darüber, wie groß der Abstand sein soll. Regionspräsident Hauke Jagau spricht von einem Meter, andere von einem Meter 50 oder sogar von zwei Metern.

Deutschland-22. März 2020. Der Mitteldeutsche Rundfunk meldet: Neben der raschen Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus bereitet auch die Influenza dem Gesundheitssystem derzeit jede Menge Arbeit. Der aktuelle Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts zeigt: Die Zahl der Neuinfektionen mit Grippe steigt wieder an.

Zwischen dem 29. Februar und dem 6. März (10. Meldewoche) haben Labore in Deutschland insgesamt 22.920 Neuinfektionen bestätigt. Im Vergleich zur Vorwoche ein Anstieg von 7,9 Prozent. Auch die Zahl der Arztbesuche mit Verdacht auf Grippe stieg an auf insgesamt 330.000.

Seit Herbst erkrankten laut dem Wochenbericht etwa über 145.000 Menschen in Deutschland an der Grippe, 247 starben an den Folgen der Erkrankung. Etwa 16 Prozent aller Fälle wurden in Kliniken behandelt.

Region Hannover-22. März 2020. Schlechte Zeiten für Schizophrene. Hier lesen

Berlin-22. März 2020. Bundeskanzlerin Angela Merkel muss in Quarantäne, weil sie bei einem Arzt gewesen ist, der positiv auf das Corona-Virus getestet wurde.

Facebook-23. März 2020. Bei Facebook kursiert jetzt der Vorschlag, dass man für die Verlangsamung der Ausbreitung des Corona-Virus den Projektleiter des BER einsetzen sollte.

Immensen-24. März 2020. Regina Buchholz plant die Gründung einer Initiative, die älteren Menschen Hilfe leistet. Unterstützt wird sie auch vom Ortsrat. Weitere Informationen: 0171/74 61 566.

Region Hannover-25. März 2020. "Wir wollen die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region Hannover bestmöglich unterstützen", sagt Wirtschaftsdezernent Ulf Birger Franz. Einen ersten Überblick verschaffen können sich Hilfesuchende hier.

Burgdorf-26. März 2020. Die Gebühren für Kindertagesstätten und erlaubnispflichtige Kindertagespflegestellen sollen den Eltern ab April erstattet werden. Diesen Antrag haben SPD, Bündnis 90/Die Grünen, die WGS und die Freien Burgdorfer an den Rat gestellt. Das Geld solle sich die Stadt vom Land zurückholen, das die Schließungen angeordnet habe.

Region Hannover/Burgwedel-26. März 2020. Die Städte und Gemeinden in der Region Hannover haben Gespräche über die mögliche Erstattung von Gebühren geführt. Sollen Gebühren erstattet werden, müssen die Räte die Gebührensatzung ändern. Der Rat von Burgwedel wird sich am 7. Mai mit diesem Thema beschäftigen.

Burgwedel-26. März 2020. Ergänzend weist die Verwaltung der Stadt Burgwedel darauf hin, dass "aufgrund der bereits bestehenden Satzung bei Einstellung des Betriebes ab dem 11. Tag die halbe und ab dem 21. Tag die volle Gebühr auf Antrag erstattet" wird.

Sehnde-27. März 2020. "Wir bitten die betroffenen Eltern, für den Monat April 2020 die jeweils fällige Gebühr sowie gegebenenfalls das Essensgeld nicht an die Stadt zu überweisen." Heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Sehnde, denn der Verwaltungsausschuss hat gestern die Erhebung der Kita-Gebühren, des Essensgeldes und der Kindertagespflegegebühren für den Monat April 2020 ausgesetzt.

Höver-29. März 2020. Der Vorstand der Schützengesellschaft hat das für den 22. bis 24. Mai geplante Schützenfest abgesagt.

Region Hannover-2. April 2020. Die Region Hannover verteilt ab morgen die ersten 35 000 Mund-Nase-Schutzmasken an die Alten- und Pflegeheime. Dr. Andrea Hanke, Dezernentin für Soziale Infrastruktur der Region Hannover, weist auf Probleme bei der Beschaffung hin, es sei "weltweit derzeit sehr schwierig, an Schutzkleidung zu kommen". Deshalb müssten die Heime auch eigene Möglichkeiten nutzen.

Region Hannover-4. April 2020. Die Stadt, die Region und der Verein "Frauenhaus Hannover-Frauen helfen Frauen" haben 23 Zimmer für Frauen und Kinder gemietet, die vor häuslicher Gewalt geschützt werden müssen.

Corona-Virus (III) . 

Freitag, 20. März 2020

Tjaden tappt (457)

Das Corona-Schild
zur Ausgangssperre. 
Kleine Corona-Geschichten ohne den nötigen Abstand

Kaffee trinke ich neuerdings in einem Burgdorfer Supermarkt. Dort, wo der Leergutautomat steht, steht auch der Kaffeeautomat. Kaffee aus der Schweiz. Ein Euro. Sehr lecker. Und sehr heiß.

Zwei Frauen albern herum, bestehen auf einen Abstand von einem Meter 50, eine Verkäuferin macht den Leergutautomaten sauber. Sie erzählt mir, dass sie ab nächster Woche an der Kasse hinter Plexiglas sitzt. Hinter ihr steht ein Kunde mit einer Getränkekiste. Er hat Zeit. 

Eine Mutter empört sich über die Lehrerin ihres neunjährigen Kindes. "Die hat Zeitungen in den Unterricht mitgebracht. Sie las den Kindern Berichte über das Corona-Virus vor. Neunjährigen Kindern! Mein Kind kann seitdem nachts nicht mehr schlafen."

Die Verkäuferin hat ihre Arbeit beendet. Zwei offenbar eng befreundete Mädchen verlassen den Supermarkt. "Hier müssen wir keinen Abstand mehr halten", sagt die eine etwa Zwölfjährige zur anderen. 

Deswegen droht der niedersächsische Innenminister mit einer Ausgangssperre?, frage ich mich. Denn inzwischen kenne ich die Corona-Schlagzeilen der im Supermarkt angebotenen Zeitungen. Ein Bekannter, den ich lange nicht mehr gesehen habe, fragt mich nach meinem Hund. "Der ist tot", sage ich und hoffe, dass niemand mithört. Wie leicht entsteht in einer Kleinstadt ein Gerücht. "In Burgdorf soll es den ersten Corona-Toten geben", könnte es lauten. 

Doch auch die Verbreitung von Gerüchten ist inzwischen verlangsamt. In der Stadt ist kaum jemand. Da auch die Buchhandlungen und die Bücherei geschlossen sind, hat eine Burgdorferin Bücher dabei, mit denen sie den öffentlichen Bücherschrank in der Marktstraße füttern will. "Lesefutter für die Ausgangssperre", sagt sie. Der Abstand zwischen uns beiden beträgt keine 30 Zentimeter. 

Ab morgen werde ich meine sozialen Kontakte einschränken, denn in den Nachrichten habe ich gerade gehört, dass sich die Bundesregierung am Wochenende genau anschauen will, wie wir uns verhalten. 


Sonntag, 10. Februar 2019

Tjaden tappt (368)

Papierkorb mit Aschenbecher.
Foto: Heinz-Peter Tjaden
Wie man eine Stadt sauber hält

Von Funchal auf Madeira lernen, heißt für eine saubere Stadt sorgen. Wer hat sich nicht schon einmal darüber geärgert, dass an Bushaltestellen und vor Bänken das Pflaster mit Zigarettenkippen übersät ist? Wer ist am Wochenende nicht schon einmal einer durch die Luft fliegenden Wochenzeitung ausgewichen? Wer ekelt sich nicht gelegentlich, wenn er durch einen Bahnhofstunnel geht?

So was erlebt man in Funchal nicht. An jedem Papierkorb gibt es den Hinweis, dass die Reste von Zigaretten auf dem Basaltpflaster nichts zu suchen  haben. Zu jedem Papierkorb gehört ein innen angebrachter Aschenbecher. Die Papierkörbe gibt es in drei Farben: gelb, grün und blau. Die erleichtern die Mülltrennung.

Außerdem sind mehrmals am Tag in den Straßen Männer und Frauen mit Strohbesen und langstieliger Kehrschaufel unterwegs und sorgen für Sauberkeit. Und was ist mit den herumfliegenden Wochenzeitungen? Die gibt es hier nicht. 

Was auch noch auffällt: Auf dieser Insel fallen einem keine Videokameras auf. In vielen Supermärkten gibt es neben den Kassen einen Bereich, in dem die Kundinnen und Kunden ihre Einkäufe selbst einscannen und mit Karte bezahlen können. Und niemand schaut zu...

Weitere Informationen über Madeira auf http://madeiranowordsneeded.blogspot.com 

Samstag, 29. Dezember 2018

Tjaden tappt (359)

Der Landeanflug. Foto: Heinz-Peter
Tjaden
Kein Wort nötig

25. Dezember 2018. Wenn man sich wie in einem Traum vorkommt, dann ist man wahrscheinlich auf der Insel Madeira, die für sich mit dem Hashtag #madeiranowordsneeded wirbt. 

Ich bin gerade wieder gelandet. Das heißt: Abschied von unglaublichen Menschen, einem Weihnachtsmarkt, der nicht dem Kommerz, sondern Musik,Tanz und Kultur gewidmet ist, von dem kleinen Hotel 29 Madeira Hostel by Petit Hotels in der Altstadt von Funchal mit der immer fröhlichen Carolina als Gastgeberin für Rucksack-Touristen aus aller Welt, und von einer schwarzen Ente, die einen Brunnen an der Uferpromenade für sich allein beansprucht. Und beim Einkauf im Supermarkt wird man von einer Taube begrüßt. Über 20 Grad am Heiligabend... 

Ich fliege am 5. Februar wieder hin. Dann habe ich die Berge wieder hinter mir und vor mir den Atlantik. Ich bastele gerade an einem blog über diese wunderschönen Ferien.

Hier klicken

Verrückt auf Madeira

29. November 2018. "Immer Ärger mit Red" ist die Geschichte eines verrückten Vogels, der in Duisburg und auf Madeira Unfug macht. Hier bestellen als e-book oder als Print

Dienstag, 15. August 2017

Splitter 4

FDP macht alles
wieder verfügbar.
In meinem Supermarkt wieder alles verfügbar

Gestern sind in dem Supermarkt, in dem ich einkaufe, noch alle Regale leer gewesen. Nichts war mehr verfügbar. Nicht einmal die Schokolade, die ich so gern esse. Doch das hat die FDP über Nacht geändert.

Gleich am Eingang empfing mich ein Mann mit Dreitage-Bart und behauptete, er heiße Christian Lindner. Er warf drei Tafeln Schokolade in meinen Einkaufswagen, begleitete mich zu den Milchprodukten und suchte für mich den leckersten Joghurt aus. Mein Einkaufswagen füllte sich endlich wieder auf dem Weg zur Kasse.

Der Mann, der angeblich Christian Lindner hieß, setzte sich an die Kasse und führte die von mir eingekauften und die von ihm ausgesuchten Waren über den Scanner.

"Der ist seit heute auch wieder verfügbar", sagte er und gewährte mir Rabatt auf die Leberwurst, weil die Verpackung ein wenig beschädigt war. 

"Und nicht vergessen", sagte er, bevor wir mein Fahrrad erreichten. "Machen Sie Ihre Kreuze am 24. September an den richtigen Stellen. Damit alles verfügbar bleibt."

Mein Blick folgte seinem Zeigefinger, der auf ein Plakat wies, das gestern noch nicht an dem Laternenmast hing. Ich verstand. Ich habe nun gar keine Wahl mehr.

Der erste Splitter

Der fünfte Splitter 

Samstag, 10. Dezember 2016

Tjaden tappt (187)

Fotografiert in Wettmar.
Vorwort meiner neuen Broschüre "Mein Esel ist auf Draht" Hier bestellen 

7. Dezember 2016. Ich bin ein begeisterter blogger und ein begeisterter Radfahrer. Täglich lege ich mit meinem Rad mindestens 30 Kilometer zurück und werde oft darauf angesprochen.

Kürzlich bin ich zweimal an einem Tag in meinem Lieblings-Supermarkt gewesen. Die Kassiererin sah mich erstaunt an, fragte mich: „Sie haben sich bei der Kälte noch einmal nach draußen gewagt?“ Als sie begriff, dass ich nicht um die Ecke wohne, war sie noch verblüffter.

Solche Gespräche an einer Supermarkt-Kasse hat Amazon wohl nicht so gern. In Seattle ist am Nikolaus-Tag der erste Supermarkt ohne Kassen eröffnet worden. Nennt sich „Amazon go“. Die Kunden melden sich auf einer App auf dem Handy an, wenn sie den Laden betreten. Mit Sensoren werden die Käufe registriert, Amazon bucht den Kaufpreis vom Amazon-Konto ab.


Das wäre auch aus einem anderen Grund nichts für mich: Meistens vergesse ich mein Handy, wenn ich zu einer Radtour starte. Ich könnte bei „Amazon go“ also nur einkaufen, wenn es auch „Amazon free“-Abteilungen geben würde. Umsonst nehme ich alles. Auf Sensoren darf verzichtet werden.

Auch gedruckt

10. Dezember 2016. Jetzt auch als Print, 48 Seiten, 5 Euro, hier bestellen 

Freitag, 25. September 2015

Tjaden tappt (XXXXIX)

Trauriger Einkauf.
Pennyporterin fühlt von den Socken her

"Erstmal zu Penny" - Radio hören im Supermarkt in Burgdorf-Nordwest. Aufmerksam höre ich zu, wie die Pennyporterin einen Experten fragt, warum in der Waschmaschine Socken verschwinden. Das liegt, antwortet der Experte, daran, dass sich die Trommel nicht immer mit der gleichen Geschwindigkeit dreht. "Das ist wirklich eine traurige Nachricht", sagt die von den Socken her fühlende Pennyporterin, auch ich fühle mit den Socken, die verschwinden. 

Von der Trauer erlösen könnte mich Werbung für ein Waschmittel, das die Socken in der Waschmaschine zusammenhält, bis sie sauber und gemeinsam wieder aus der Trommel geholt werden können. Doch die gibt es nicht. Penny-Radio spielt Musik, und ich male mir in der Obst- und Gemüseabteilung schon die nächste traurige Nachricht aus.

Eine Nachricht über die Penny-Birnen und die Ursachen für den Verlust an Umfang im oberen Bereich während der Birnbaum-Zeit, so dass die Penny-Birnen beim Pflücken so aussehen, wie sie aussehen. Wie würde ein Experte der Pennyporterin erklären, warum Birnen anders aussehen als - sagen wir einmal - Äpfel?  

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Zerstreutes Café

Und ein Ratgeber, den man nie wieder vergessen kann

Das Café Konrad in Kleinburgwedel ist zerstreuter geworden. Das gilt nicht für die Inhaber Gabriele und Wolfgang Konrad, sondern für den Lesestoff. Bisher sind im Kiosk-Bereich lediglich derart unbekannte Zeitschriften wie der "stern" und die "Bunte" angeboten worden, die von Zerstreuten eher irrtümlicherweise denn bewusst gelesen werden. Man hat eben nur vergessen, sie nicht zu kaufen.

Kennen wir doch alle, falls wir uns noch daran erinnern können: Wir brauchen unbedingt Zucker und Milch und gehen deswegen in einen Supermarkt. Wieder zuhause angekommen, stellen wir fest: Gekauft haben wir Kartoffeln, Käse und Salz. Und ein Schnäppchen haben wir auch noch gemacht: Deo-Spray für Vergessliche, der im Badezimmer explodiert, wenn wir uns Rasierschaum unter die Achseln schmieren.

Wie geschmiert läuft im Café Konrad jetzt auch der Verkauf meines weltberühmten Ratgebers "Zerstreutes Wohnen". Den man bisher zwar bei Amazon kaufen konnte, aber nicht in Kleinburgwedel. Beim Lesen dürfen sie durchaus einen Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen. Nicht vergessen: Mein Ratgeber sollte nicht zum Mund geführt werden. Umrühren muss man ihn auch nicht. Umblättern reicht...

Weitere Infos über das Café Konrad Hier klicken

Dienstag, 5. August 2014

Tjaden tappt (XI)


Fahrzeug-Karten



Tod schlägt schwere Krankheit
Ständer runter, Fahrrad steht und gibt ihm Halt. Er wetteifert mit einem Ehepaar in ähnlichem Senioren-Alter.

Der Herbert“, sagt er, „ist schon lange tot.“

Mit „lange tot“ geht die erste Runde wohl an ihn, das Ehepaar jedoch gibt sich nicht geschlagen.„Wie lange denn?“, fragt der Ehemann. „Die Luise jedenfalls ist schon seit über drei Jahren tot“, fügt die Ehefrau hinzu.

Eines Tages ist mein Neffe mit einem Kartenspiel angekommen, die Bilder zeigten Automobile, darunter standen die technischen Daten. „Du musst eine Karte ziehen. Dann musst du dich für eine Angabe entscheiden.“ Ich entschied mich für die PS-Zahl. „175 PS.“ Meine Neffe zog ebenfalls eine Karte. „240 PS.“ Ich hatte verloren. Er legte meine und seine Karte vor sich auf den Tisch. „Wer nachher die meisten Karten hat, hat gewonnen.“ Ich zog die nächste Karte...

Was die drei vor einem Supermarkt in Großburgwedel machen, scheint ein ähnliches Spiel zu sein - nur nicht mit technischen Daten von Automobilen, sondern mit Todes- und Krankheitsfällen. Ich bin gespannt, was auf der Herbert-Karte des Rad-Seniors steht. „Der ist vor zwei Jahren gestorben.“ Das Ehepaar bekommt also die Luise- und die Herbert-Karte.

Der Annegret geht es übrigens sehr schlecht“, sagt die Ehefrau. „Ihr Arzt sagt, dass sie nicht mehr lange zu leben hat.“ „Nicht mehr lange“ ist für den Rad-Senior wie „lange tot“ für das Ehepaar. „Wie lange hat sie denn noch?“, fragt er. „Ungefähr sechs Monate“, antwortet der Ehemann.

Der Rad-Senior probiert sein Glück mit einer Walter-Karte. „Der Walter ist heute Morgen ins Krankenhaus gebracht worden. Sieht sehr schlecht aus. Ein halbes Jahr lebt der nicht mehr.“

Ich radele mit meinem Hund zur Bank, trinke in der Sonne sitzend einen Kaffee und mache mich auf den Heimweg. Die drei haben sich nicht vom Fleck gerührt. Im Vorbeiradeln schnappe ich einen Satzfetzen auf: „...unheilbare Krankheit...“ 

Das Ehepaar bekommt wohl alle Karten - wie vor Jahren beim Automobil-Spiel mein Neffe...

Donnerstag, 27. März 2014

Tjaden tappt (VI)










Der Junge und die Ostereier

"Wo", eilt die Mutter durch die Regalgänge, "ist mein", erreicht die Mutter die Kasse, "Sohn", der draußen vor dem Citipost-Briefkasten sitzt, die bunten Ostereier "aus Bodenhaltung" auf den Asphalt gelegt hat, "geblieben, hat jemand meinen Sohn gesehen?", der sich jedes Ei genau anschaut, bevor er die Schale aufschlägt und die bunten Splitter in seiner linken Hand sammelt, "warum hilft mir denn niemand?", ruft die Mutter die Schlange entlang, bis sie den Ausgang erreicht, wo ihr Sohn gerade die Klappe des Briefkastens öffnet.

"Was machst du denn da?", fragt die Mutter. Der Junge steckt seine Hand in den Briefkastenschlitz und öffnet sie. "Ich schicke die Verpackung an den Osterhasen zurück."

Freitag, 21. März 2014

Tjaden tappt (IV)

Zweites Regal von unten: Dort steht mein Senioren-Ratgeber
"Zerstreutes Wohnen" ganz rechts.


















Zerstreutes Wohnen nun auch öffentlich

Man kann seinen Hund vor dem Supermarkt vergessen, man kann sich morgens fragen, was für eine Frau neben einem im Bett liegt, man kann ungestört die "Senioren-Bravo" lesen: Zerstreutes Wohnen ist besser als betreutes Wohnen. Das wissen bereits viele über 70-Jährige, die meinen Ratgeber gelesen haben.

Seit heute steht dieses einzigartige Werk im öffentlichen Bücherschrank der Stadt Burgdorf. Wer zuerst kommt, liest zuerst. Wenn er den Weg nach Hause findet.

Sollte dieses Buch bereits weg gegriffen worden sein: Der Uli hat in der Nähe eine Buchhandlung. Steht "Wegeners" drüber...Einfach einen unter 70-Jährigen nach dem Weg fragen. 

Anschau-bar

Gesund und umweltfreundlich. Foto: VVV Hannover-die  schmucke Stadt April-Sonntag in Hannover-List Bärenstarkes Hannover Im Süden von Hann...