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Samstag, 10. Juni 2023

Tjaden tappt (564)

Wo diese Puppe
liegt, liegen sonst
Obdachlose.
Foto: H.-P. Tjaden
Lob und Flirts im Mund

Morgenstund hat Lob im Mund. Für mich vor einigen Minuten an der Bushaltestelle "Stadtfriedhof" in der Südstadt von Burgdorf, weil ich meine Zigarettenkippe nicht achtlos wegwerfe. "Spitze", sagt ein Mann zu mir, bevor er in den Bus steigt. Ein Obdachloser nimmt den grauen Behälter, in dem meine Kippe verschwunden ist, in Augenschein. Dieses Wort habe ich der "Neuen Woche" entnommen, die ich aus der Tankstelle im Berliner Ring mitgenommen habe. Die meisten Leute nehmen von dort nur den "Marktspiegel" mit. 

Dass man Zigarettenkippen nicht wegwirft, habe ich auf Madeira gelernt. Nur Touristinnen und Touristen aus England verschandeln hin und wieder das helle Pflaster. Möglicherweise, damit sie die Riesenkähne wiederfinden, mit denen sie gekommen sind. Die Engländerinnen und Engländer kommen und gehen, die Obdachlosen bleiben ein Problem von Madeira. Sollen sie aber nicht, haben jüngst Künstlerinnen und Künstler bei einem Straßenprojekt in Santana gefordert. 

Im Norden der Insel habe ich im März sehr viele nette Menschen kennengelernt. Wie im 29 Madeira Hostel in Funchal. Die Offensive, die dort eine Russin gestartet hat, weil sie mit mir tanzen wollte, blieb friedlich, sogar als sie mich fragte, ob ich mit ihr die Nacht verbringen wolle und ich ablehnte, weil in diesem Hostel meine Gedanken immer nur bei jener Frau sind, die mich eines Morgens fragte, ob das, was ich gerade schreibe, für sie sei. Dann lief sie lachend davon. Blieb aber in der Nähe.

Manchmal hat Morgenstund auch Flirts im Mund. 

Mittwoch, 17. Juni 2020

Tjaden tappt (507)

Das Hostel in Funchal.
Foto: Heinz-Peter Tjaden
Niedersachsen macht Flug nach Madeira unmöglich

Eigentlich würde ich jetzt in einem Flugzeug sitzen und in vier Stunden auf der Blumeninsel Madeira landen. Während der Taxifahrt nach Funchal würde ich den Ausblick auf den Atlantik genießen und mich auf das 29 Madeira Hostel in der Rua dos Netos freuen. Mein Zimmer ist schon lange bezahlt. Doch dann kam das Corona-Virus.

Ab Juli  sind Flüge nach Madeira wieder möglich. Doch das niedersächsische Gesundheitsministerium hat noch keine Antwort auf eine wichtige Frage, die bei Anrufen der Corona-Hotline derzeit oft gestellt wird (dabei geht es stets um die Kanarischen Inseln): "Wo kann ich mich vor dem Flug testen lassen, denn ein solcher Test, der nicht älter sein darf als 72 Stunden, ist Voraussetzung für die Einreise?"

Diese Möglichkeit gibt es in Niedersachsen noch gar nicht. Außerdem: Könnte man sich testen lassen, würde man das Ergebnis vor dem Abflug noch gar nicht kennen. "Wir haben andere Testmethoden", heißt es dazu an der Hotline. "Wir haben das Gesundheitsministerium über dieses Problem mit den Einreisebestimmungen der Kanarischen Inseln informiert. Wegen Madeira hat noch niemand angerufen."

"Sie können gern noch einmal anrufen", sagt die freundliche Frauenstimme und lässt mich vor dem Flugzeug, das mich in meinen Gedanken am 14. Juli nach Madeira fliegt, allein. 




Anschau-bar

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