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Freitag, 22. Mai 2020

Tjaden tappt (496)

Der Bundesinnenminister rät 1967
in einer Zivilschutzfibel: Bei
Atomkrieg Kopf mit Aktentasche
schützen. 
Dem Surrealismus einen Sinn verleihen

Die Corona-Bewährungsprobe bekommt allmählich etwas Surreales. Man schaltet das Radio ein, immer noch beginnt jede Nachricht mit "Corona-Krise", an diesem Freitag will auch die CSU die deutsche Wirtschaft retten, die Masken, die es in Deutschland inzwischen angeblich in Hülle und Fülle gibt, können nicht verteilt werden, weil sie nicht schnell genug auf ihre Verlässlichkeit geprüft werden können, da es aber in Deutschland nicht Hunderttausende, sondern rund 13 000 Corona-Infizierte gibt, kommt es auf Schnelligkeit wohl nicht mehr an. Immerhin ist der BER so pünktlich fertig geworden, dass mit stockendem Flugverkehr wegen schadhafter Masken nicht mehr gerechnet werden muss.

Doch an diesem Freitag will nicht nur die CSU etwas tun, Verschwörungstheoretiker wollen das auch. Sie wollen sich wieder unter die Leute mischen, die gegen die Corona-Maßnahmen protestieren. Damit man sie auch erkennt, werden sie neuerdings in jeder Talkshow vorgestellt. Olaf Sundermeyer als bekennender Begleiter solcher Typen wirft diesen Verschwörungstheoretikern vor, dass sie sich unbedingt Gehör in den Medien verschaffen wollen, und verschafft ihnen Gehör. 

Ein Ministerpräsident, der sonst möglicherweise eine Lücke hinterlassen würde, die von anderen Politikern nicht geschlossen werden kann,  behauptet, dass er aus Fehlern gelernt habe, macht aber den Fehler, sich von Sender zu Sender herumreichen zu lassen, wenn er sich nicht gerade neue Verordnungen ausdenkt, Verordnungen von einem Tag auf den anderen verändert und Verordnungen ankündigt, falls Verordnungen erforderlich werden sollten. 

Wer diesem Surrealisms einen Sinn verleihen will, scheitert schnell an seinem Unterbewusstsein. Darf ein Brautpaar inzwischen an der eigenen Hochzeitsfeier teilnehmen, muss es nicht nur Abstand halten, sondern sogar draußen bleiben, wenn die Gästezahl von 100 erreicht ist? Gilt das Kontaktverbot auch dann, wenn der Pfarrer aus dem gleichen Haushalt kommt? Darf ein Verstorbener an seiner Beerdigung teilnehmen? Wie groß ist der Mindestabstand zwischen den Biergläsern in einem Biergarten? Warum versteht der Virologe Christian Drosten nichts von Bakterien, versteht er denn wenigstens etwas von den Menschen? Soll man Urlaub in Österreich machen, weil das Virus dort nur einen Meter weit fliegen kann?

Die von Medien und Politik Verwirrten trifft man inzwischen schon täglich. Ein Mann kommt aus einer Tankstelle, sieht mich und reißt seine Aktentasche hoch, um sein Gesicht zu schützen.  Wäre er etwas älter, wüsste er: Das hilft nur bei einem Atomkrieg. 


Freitag, 8. Mai 2020

Tjaden tappt (492)

Hier kommt so mancher ins Schwimmen.
Wenn "wahrscheinlich" auch "möglicherweise" ist

Schon seit Jahren entscheide ich mich im Fernsehen für die Nachrichten aus Österreich. Lou Lorenz-Dittlbacher und Armin Wolf stellen bei ZIB 2 ("Zeit im Bild") Fragen, die so pfiffig sind, dass die Interviewpartnerinnen und Interviewpartner regelmäßig ins Schwimmen kommen. Der Gesundheitsminister wurde kürzlich mit der Frage konfrontiert, warum Politiker Corona-Verbote behaupten, die es in den Verordnungen gar nicht gibt. Gestern fühlte die Moderatorin einem Arzt auf den Weisheitszahn und seine Weisheiten über die Mund-Nase-Bedeckungspflicht versah er in jedem Satz mit "wahrscheinlich" und "möglicherweise".  Dass diese Pflicht schon bald wieder abgeschafft wird, schloss er nicht aus.

Und was passiert im deutschen Fernsehen? Die Mund-Nase-Bedeckung findet auch bei denjenigen immer mehr Anhänger, die sie vorgestern noch blöd gefunden haben. Zur so gepriesenen Offenheit gehören auch hier zu Lande "wahrscheinlich" und "möglicherweise". 

Dabei kann jede und jeder beobachten, was zu erwarten war. Ein "Bild"-Redakteur berichtete vorgestern aus Hamburg über sich häufende Missachtungen der Abstandsregel beim Einkauf. Er führt das auf den Einstein zugeschriebenen Spruch von der Unendlichkeit der menschlichen Dummheit zurück. Dem kann ich mich nicht anschließen. Die Menschen, die Mund und Nase bedecken, meinen, dass sie auf diese Weise die anderen Kundinnen und Kunden ausreichend schützen. Das wird ihnen ja auch täglich eingeredet.  Also messen sie dem Abstand keine große Bedeutung mehr bei.

Doch diese Mund-Nase-Bedeckungs-Sicherheit ist so trügerisch wie die Zahl der Neuinfizierten seit Einführung dieser Pflicht. In der Region Hannover gibt es einen Anstieg von täglich 15 auf 25, in Deutschland einen von 685 am 6. Mai auf 1284 am 7. Mai.  Wie hieß es noch im März? Im März hieß es: Wenn erst der Frühling da ist, wird das Virus schlapp, im Sommer legt es sich dann zur Ruhe. 

Samstag, 26. Mai 2018

Tjaden tappt (268)

Lösungen müssen schon
verraten werden.
Schlechte Mathe-Noten in Österreich und die "Neue Woche"

Dem Bildungsminister von Österreich stehen beim ORF-Interview die Haare zu Berge, als er nach den schlechten Ergebnissen bei der Mathematik-Matura gefragt wird. Vielleicht sind die Texte zu kompliziert, meint er, sie müssen wahrscheinlich einfacher werden. Experten beklagen während des Berichtes die mangelnde Lesekompetenz vieler Schülerinnen und Schüler, die gar nicht mehr verstehen, was man von ihnen verlangt.

Da keimt in mir ein Verdacht, der eigentlich naheliegend ist. Es liegt an der Burgdorfer Wochenzeitung "Neue Woche". Die angeblich verteilte Auflage von über 61 000 Exemplaren würde so einer plausiblen Erklärung zugeführt werden können. Die 30 000 Exemplare, die hier zu Altkreis gar nicht verteilt werden, werden an Schulen in Österreich geliefert. Nun sieht man die Folgen. Denn in deutscher Sprache erscheint die "Neue Woche" auch 2018 nicht.

Hilfe ist möglich (I)

Hilfe ist möglich (II) 

Anschau-bar

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