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Sonntag, 6. Dezember 2020

Tjaden tappt (568)

Einfach die Feiertage neu sortieren

Die von mir angeregte Erfindung eines Feiertages, der auf Anhieb so wichtig wird wie Weihnachten und auch ein bisschen von Silvester hat, ist nicht mehr erforderlich. Immer mehr Politikerinnen und Politiker kommen zu der Einsicht, dass die vom 20. Dezember bis 1. Januar geplante Corona-Maßnahmen-Faststilllegung (CMFS) mit Covid-19 nicht zu machen ist. Das Virus gehört zu den Ungläubigen (nach katholischer Auffassung alle, die nicht katholisch sind). Auch Silvester mag es nicht so besonders. Vom Weihnachtsmann hält es ebenfalls  nicht viel. Für den wird schon über eine Ausgangssperre diskutiert. 

Not tut möglicherweise eine radikale Änderung der Feiertags-Reihenfolge. Ich habe es schon immer unlogisch gefunden, dass die Christenheit im Frühjahr den Tod von Jesus betrauert und im Winter seine Geburt feiert.  Logischer fände ich es, wenn man Jesus im Frühjahr zur Welt kommen ließe, alle 33 Jahre im Herbst seinen Tod betrauern, drei Tage später seine Auferstehung und im Dezember die Ausgießung des Heiligen Geistes feiern würde. 

Damit könnte sofort begonnen werden. Wäre am 25. und 26. Dezember Pfingsten, würde niemand die Corona-Maßnahmen stilllegen wollen, denn mit diesem Feiertag kann sowieso niemand etwas anfangen. Anfang April  wäre Weihnachten schon fast corona-frei, denn Ende März sind laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits sehr viele geimpft. Hoffentlich auch der Weihnachtsmann...

Montag, 16. November 2020

Tjaden tappt (561)

Im Sommer noch glücklich.
Foto: mud-tierschutz.de

Der aufgescheuchte Hühnerhaufen

Kann ein aufgescheuchter Hühnerhaufen selbst für Ordnung im Hühnerstall sorgen? Heute wäre Angela beinahe wieder auf die Hühnerleiter geklettert und hätte fast ein weiteres Mal neue Maßnahmen auf die Tafel geschrieben. Der Kontakt mit Fremdhühnern muss weiter eingeschränkt werden, hätte dann dort gestanden, Küken dürfen sich nur mit einem Fremdküken treffen, Hühner, die beim Eier legen Probleme haben, müssen sich selbst isolieren, ältere Hühner ebenfalls, hätte dort auch noch gestanden. 

Denn Angela hatte mit Entsetzen festgestellt, dass die Zahl der Verletzungen nicht in dem Maße abnahm wie von ihr herbeigesehnt. Obwohl sie schon so mancherlei auf die Tafel geschrieben hatte.  

Zugenommen hatte die Zahl der Verletzungen zum ersten Mal im Frühjahr.  Darüber berichtete die "Zeitung für das kluge Huhn" fast täglich, täglich wurde ein anderes Huhn befragt und als Expertin interviewt.  

Dann kam der Sommer, die Hühner pickten im Freien Körner, kaum ein Huhn verletzte sich. Zu Zwischenfällen kam es nur, wenn sich die beiden Hähne, denen der Bauer die Namen Karl Lauterbach und Jens Spahn gegeben hatte, darüber stritten, wann die Zahl der Verletzungen wieder zunehmen würde. Karl war für möglichst bald, Jens übte sich in Zurückhaltung und erfreute sich an den pickenden Hühnern. Angela gehörte zu den fröhlichsten Hühnern und stahl so manchem Mithuhn das Korn vor dem Schnabel weg. Schon bald galt sie als eines der fröhlichsten Hühner in Europa. 

Das zweite Mal stieg die Zahl der Verletzungen im Herbst. Die Hühner kehrten in den Hühnerstall zurück, die "Zeitung für das kluge Huhn" berichtete wieder häufiger über die Gefahren des engen Zusammenlebens, dann kamen auch noch einige Hühner aus dem Urlaub auf dem benachbarten Bauernhof zurück, der Hahn Karl und der Hahn Jens klatschten in ihre Flügel und scheuchten so die Hühner auf. Und Angela wurde eine der traurigsten Hühner in Europa, die sich damit abfinden musste, dass ihre Mithühner jede weitere Maßnahme mit ihren Kehllappen von der Tafel wieder abwischen würden.   

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Tjaden tappt (555)

Alle Frauen wollen zum Friseur

"Damit hätte ich so schnell nicht gerechnet", sagt Doris Schmidt. "Ich bin jetzt schon ausgebucht." Das Telefon in ihrem Friseursalon steht nicht mehr still. Frauen wünschen sich eine neue Frisur, weil sie in den nächsten vier Wochen nicht mehr ins Theater, ins Kino, in die Oper, in Restaurants und Bars gehen dürfen. Sie wollen sich nur noch für ihre Männer schick machen. Denn die sind am Wochenende nicht mehr auf dem Fußballplatz.

75 Prozent der Infektionen sind nicht mehr nachvollziehbar, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag in einer ungewöhnlich kurzen Regierungserklärung. Deshalb wolle auch sie so schnell wie möglich zum Friseur. Dort treffe sie sich natürlich nur mit zwei Haushalten. "Nämlich mit dem Haushalt meiner Friseurin und mit meinem eigenen", sagt die Bundeskanzlerin. 

Ob sie sicher sei, dass sie sich beim Friseur nicht anstecken könne, wird Angela Merkel nach ihrer Regierungserklärung gefragt. "Da bin ich ziemlich sicher", antwortet sie. "Die 25 Prozent bekannten Infektionen müssen ja nicht vom Friseur kommen."

Dabei beruft sich die Bundeskanzlerin auf den weltweit bekannten Virologen Sebastian Vrosten, der Friseursalons für ziemlich sicher hält. "Auf Lockenwicklern fühlt sich das Virus nicht besonders wohl. Natürlich gilt auch hier die Abstandsregel."

"Wenn wir jetzt alle zum Friseur gehen", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, "dann schaffen wir das." Auf seinen spärlichen Haarwuchs angesprochen, weist er auf seinen Vorrat an Toupets hin. "Die habe ich von Lieferdiensten der Friseur-Innung bezogen. Lieferdienste sind ja nicht verboten."


 

Samstag, 26. September 2020

Corona-Virus (XI)

Spahn warnt vor Feiern

Berlin-17. August 2020. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnt vor dem Hintergrund zeitweise steigender Zahlen bei Corona-Neuinfektionen vor Feierlichkeiten als Gefahrenquelle. Es gebe mehr Ansteckungen durch Reiserückkehrer, es gebe im ganzen Land aber auch lokale Ausbrüche, die meist mit Feiern zusammenhingen, sagte Spahn im ZDF-"heute journal". "Das ist das, was wir im Blick haben müssen über das Reisen hinaus", betonte der CDU-Politiker.

tagesschau

Diakonie-Chef prangert Zuständigkeitschaos an

Der Präsident des Sozialverbands Diakonie, Ulrich Lilie, stuft die Situation in deutschen Pflegeheimen weiter als dramatisch ein und fordert umfassende Reformen. "Es fehlt weiterhin flächendeckend an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln", sagte Lilie der Zeitung "Welt". Außerdem vermisse er eine bundesweite Linie für Testungen. Die Angst vor einer zweiten Welle in den Einrichtungen sei groß. Es sei erschreckend, wie folgenlos alle Erfahrungen bisher geblieben seien, erklärte Lilie weiter.

Lilie verlangt, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) zusammen mit den Gesundheitsämtern Leitlinien entwickelt, "damit alle wissen, wie sie künftig mit dem Infektionsgeschehen umgehen müssen". "Zuständigkeitschaos und widersprüchliche Regelungen" seien allesamt auf Kosten der Menschen gegangen, sagte der Diakonie-Chef weiter.


tagesschau

Regionalflughäfen vor der Pleite

19. August 2020. Infolge der Corona-Krise könnten in Deutschland mehrere subventionierte Regionalflughäfen vor der Pleite stehen. Auf kurze Sicht sei die Existenz von sieben der untersuchten 14 Regionalflughäfen bedroht, warnt eine Studie, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft für die Umweltorganisation BUND erstellt hat und die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt.

ntv

Corona-Gefahr wächst wieder?

20. August 2020. Alle reden von wieder wachsender Corona-Gefahr. Ich nicht. Ein Blick in die Statistik reicht zur Widerlegung dieser Behauptung: In der 11. Kalenderwoche sind 5,9 Prozent der Corona-Tests positiv gewesen, in der 33. Kalenderwoche 0,96 Prozent. Dieser Vergleich ist natürlich mit der gleichen Vorsicht zu genießen, wie alle anderen statistischen Vergleiche, weil das Zahlenmaterial auf unterschiedliche Weise gewonnen wird. 

Leben rascher wieder normal als erwartet?

21. August 2020. Das Vorankommen von Pfizer und BioNTech bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Lungenkrankheit Covid-19 ist am Freitagmorgen an der Börse positiv aufgenommen worden. BioNTech sprangen auf Tradegate um 11 Prozent nach oben, während Pfizer-Aktien um 2,5 Prozent zulegten. "Das hat heute an den Finanzmärkten die Erwartung gestützt, dass das Leben rascher als bisher gedacht wieder zur Normalität zurückkehren könnte", schrieb Analyst Stephen Innes vom Handelshaus Axicorp. Sollte es tatsächlich einen Impfstoff gegen die Krankheit geben, würde "die Fahrt zur nächsten Klinik die weltweite Rezession quasi auf einen Schlag beenden", gab sich Innes euphorisch.

Finanzennet

Wo kommt das Virus her?

Colmar-23. August 2020. Michel Schmitt sitzt vor seinem Computer und zeigt auf weiße Flecken in der Aufnahme einer Lunge. Es sind typische Anzeichen für eine Covid-19-Erkrankung. Das Erstaunliche ist: Diese Aufnahme stammt vom 16. November 2019 vergangenen Jahres.

Schmitt ist Radiologe am Albert-Schweitzer-Krankenhaus in Colmar im Elsass, nicht weit entfernt von Freiburg. Die Region in Frankreich war im Frühjahr besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen. Schmitt analysierte damals Hunderte Lungenbilder von Patienten. "Mit den Erfahrungen von März und April kam ich auf die Idee, alle Bilder ab dem Sommer 2019 durchzugehen und nach untypischen Zeichen zu suchen", sagt der Radiologe. Tatsächlich wurde er fündig.

tagesschau

Das Leid der Kinder

Hannover-24. August 2020. Während des Shutdowns konnten die Kinder Schulen und Kitas nur sehr eingeschränkt besuchen. Jetzt wird immer deutlicher: Die Entwicklung der Kinder hat gelitten. Das haben Wohlfahrtsverbände beobachtet, wie etwa die AWO in Niedersachsen.

NDR

Bis zu 24 Monate Kurzarbeitergeld

Berlin-26. August 2020. Nach ihrem achtstündigen Sitzungsmarathon hat sich die Koalition unter anderem auf die Verlängerung der Überbrückungshilfen für kleine und mittlere Betriebe geeinigt. Der erleichterte Zugang zur Grundsicherung soll ebenfalls bis Ende 2020 verlängert werden.

Und auch die Zahlung von Kurzarbeitergeld wird auf bis zu 24 Monate ausgeweitet. Betroffene Firmen bekommen zudem bis Mitte nächsten Jahres die Sozialbeiträge in voller Höhe erstattet. Bewährte Maßnahmen wurden verlängert, sagt CSU-Söder.

tagesschau

Gemeinsame Maßnahmen

Berlin-27. August 2020. Die Bundesländer haben sich in der Corona-Krise auf einen Katalog gemeinsamer Maßnahmen verständigt. Geplant sind unter anderem ein deutschlandweit einheitliches Bußgeld für Maskenverweigerer und ein mögliches Ende der Quarantäne für Reiserückkehrer aus Risikogebieten durch einen negativen Test ab dem fünften Tag. Großveranstaltungen, bei denen die Corona-Auflagen nicht eingehalten werden können, sollen bis Ende des Jahres grundsätzlich verboten bleiben.

tagesschau

Gedenkfeier für Corona-Tote

Berlin-5. September 2020. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat eine offizielle Gedenkstunde für die Corona-Opfer ins Gespräch gebracht. "Der Corona-Tod ist ein einsamer Tod", sagte Steinmeier dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Viele Patienten in Krankenhäusern und Altenheimen seien ohne den Beistand ihrer Angehörigen gestorben, die Hinterbliebenen hätten nicht Abschied nehmen können. "Wir müssen den Menschen in ihrer Trauer helfen und darüber nachdenken, wie wir unser Mitgefühl ausdrücken können", sagte der Bundespräsident.

tagesschau

Kassenärztepräsident für mehr Gelassenheit

Konkret meint Gassen beispielsweise Veranstaltungen: "Mir leuchtet nicht ein, warum in einem Stadion für bis zu 60.000 Menschen nicht Veranstaltungen mit 5000 bis 8000 Menschen Platz finden können, wie es Ende August in der Waldbühne in Berlin ja erfolgreich praktiziert wurde." Entscheidend sei hierbei lediglich, wie man Nadelöhre mit engen Kontakten vermeidet, damit das Ansteckungsrisiko minimiert werde. 

Business Insider, 12. September 2020

Christian Drosten macht sich Sorgen

Mit Blick auf die verschärfte Corona-Lage in manchen anderen europäischen Ländern hat der Virologe Christian Drosten vor einer ähnlichen Entwicklung hierzulande gewarnt.

Angesichts der derzeit in Deutschland gemeldeten Neuinfektionen müsse man sich klarmachen, „dass wir, wenn wir die Kurven übereinanderlegen, etwas hinterherhinken hinter Spanien und Frankreich und England“, sagte der Leiter der Charité-Virologie der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin.

Er betonte, „dass wir uns aber auch nicht vormachen sollten, dass sich das bei uns alles ganz anders entwickelt. Wir machen auch jetzt nicht sehr viele Sachen sehr anders“. „Es gibt ein paar Details, die vielleicht bei uns anders sind als in Südeuropa. Unsere Haushalte sind häufig kleiner, wir haben mehr Einpersonenhaushalte“, sagte Drosten.

Die Welt, 18. September 2020

Durchsuchungen bei der Fleischindustrie

Die Bundespolizei führt seit den frühen Morgenstunden in fünf Bundesländern Durchsuchungen im Zusammenhang mit der illegalen Einschleusung von Arbeitskräften für die Fleischindustrie durch. Rund 800 Beamte seien schwerpunktmäßig in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen im Einsatz, sagte ein Sprecher der Bundespolizei Mitteldeutschland. Weitere Durchsuchungen gebe es in Berlin, Papenburg in Niedersachsen, Chemnitz in Sachsen und Nordrhein-Westfalen.

Mehr als 40 Wohn- und Geschäftsräume werden nach Angaben der Bundespolizei durchsucht. Der Schwerpunkt liege dabei auf Weißenfels in Sachsen-Anhalt sowie Twist und Garbsen in Niedersachsen. Zuständig seien die Staatsanwaltschaft Halle sowie deren Zweigstelle in Naumburg. Die beschuldigten Firmen sollen Menschen aus Osteuropa mit gefälschten oder verfälschten Dokumenten nach Deutschland geholt haben.

tagesschau, 23. September 2020

An allen drei Schulen Corona-Tests negativ

Der Arzt Clemens Becker aus Stuttgart stand vor einem Dilemma: Seine zehnjährige Tochter sollte nach den Sommerferien wieder in die Schule. Das fand er richtig, weil er von Homeschooling nichts hält. Und er fand es falsch, weil sein Kind sich dort mit Corona infizieren könnte.

Becker und seine Frau, ebenfalls Ärztin, organisierten eine brachiale Aktion, die bundesweit einmalig sein dürfte. Das Paar schaffte es, dass die gesamte evangelische Schule der Tochter sowie zwei weitere Stuttgarter Schulen desselben Trägers – Verwaltung, Lehrerschaft, sämtliche Schüler – Mitte September Corona-Tests machten. Einfach nur so. Zur Beruhigung und zum Schulbeginn. „Schließlich weiß ja niemand, wo die Kinder alle in den Ferien gewesen sind“, sagt Becker. Rund 2000 Tests, mit einem Ergebnis: „alle negativ“.

Die Welt, 24. September 2020

Immer mehr Risikogebiete

Die Bundesregierung hat ganz Tschechien, Luxemburg und das österreichische Bundesland Tirol wegen rasant steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Die Risikoliste des Robert Koch-Instituts wurde entsprechend aktualisiert.

Damit sind nun 15 von 27 EU-Ländern zumindest teilweise Corona-Risikogebiete, Spanien, Tschechien und Luxemburg sogar ganz. Polen ist das einzige der neun Nachbarländer Deutschlands, das noch nicht betroffen ist. Aber auch dort steigen die Infektionszahlen.

tagesschau, 25. September 2020

Corona-Krise belastet psychische Gesundheit

Die Corona-Krise belastet die psychische Gesundheit von Millionen Menschen. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Insites Consulting im Auftrag des französischen Versicherers Axa haben die seelischen Leiden in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Es wurden rund 1000 Menschen in Deutschland online befragt.

Knapp ein Drittel der Befragten beobachtet eine Verschlechterung der eigenen psychischen Verfassung während der Krise. Ein Viertel der Befragten gab an, gefühlt die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben.

Das hat auch wirtschaftliche Konsequenzen: So erwartet Alexander Vollert, Deutschland-Chef der Axa, dass sich die Zahl der Krankentage aufgrund psychischer Erkrankungen deutlich erhöhen wird. „Ich gehe davon aus, dass mehr Menschen häufiger und länger aufgrund von seelischen Leiden krank sein werden.“

Die Welt, 28. September 2020

Mittwoch, 26. August 2020

Tjaden tappt (535)

Mehr müssen Sie nicht wissen.
Das Virus: Ein Feind, auf den Verlass ist

25. August 2020. Kostenlose Corona-Tests für Urlauber bei der Einreise nach Deutschland soll es nach dem Willen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern nach Ende der Sommerreisesaison nicht mehr geben. Außerdem soll die erst kürzlich eingeführte Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten wieder abgeschafft werden.
Entsprechende Vorschläge legten die Minister nach einer Schaltkonferenz vor. Es habe eine hohe Übereinstimmung gegeben, dass richtigerweise im Sommer die Tests für Reisende ausgeweitet worden seien, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn nach dem Gespräch. Man sei sich aber gleichzeitig einig, dass mit Ende der Rückreisewelle die Kapazitäten wieder stärker im Bereich Pflege und Krankenhäuser genutzt werden sollten.

Meldet die "Aktuelle Kamera". Die ARD wird dazu heute Abend eine Sondersendung ausstrahlen. Karl Eduard von Schnitzler erläutert den Zuschauerinnen und Zuschauern in beeindruckender Weise, wie unwahr doch die Vorhersage von Karl Marx ist, dass der Sozialismus den Menschen den Himmel auf Erden bereiten wird.  Das schafft nur Angela Merkel.  Und gelegentlich Markus Söder. Ganz selten Jens Spahn. 

Im Winter schleppten unverantwortliche Elemente, die aus Österreich zurückkehrten, das Corona-Virus in die BRD ein. Darauf reagierten unsere Politiker in vorbildlicher Weise. Jeden Freitag ließen sie sich neue Maßnahmen einfallen, die am darauffolgenden Montag in Kraft traten. 

Da es im Himmel auf Erden keine Krankheiten gibt, versteckte sich das Virus erst einmal. Richtigerweise nahmen deswegen unsere Politiker jeden Freitag so manche Maßnahme wieder zurück, die es am darauffolgenden Montag nicht mehr gab. Genauso richtigerweise traute unsere Regierung dem Virus aber nicht so ganz über den Weg und führte allüberall Tests ein. Mehr musste sie auch nicht tun.  Sollte sie sich auch noch um die Rahmenbedingungen kümmern? Wer verordnet, muss doch nicht auch noch ordnen. Der muss das, was er nicht schafft, doch nur richtigerweise wieder abschaffen.

Warum das Virus aus seinem Versteck wieder aufgetaucht ist, wird Karl Eduard von Schnitzler in der Sondersendung in bekannt brillanter Weise analysieren. Das ist ihm  schon einmal gelungen, als er sagte, dass der Freund dich verraten kann, der Feind jedoch lasse einen nicht im Stich. Schon allein die Tatsache der Ankündigung dieser Sondersendung hat dazu geführt, dass gestern die Zahl der Neuinfizierten von über 2000 auf 711 gesunken ist. Richtigerweise wird deshalb diese Sondersendung täglich wiederholt. Zuschauen ist Pflicht.  Vor- und nachher darf gebetet werden. 

26. August 2020. So macht man Schlagzeilen: Am Montag beträgt die Zahl der Neuinfizierten 2028, am Dienstag 711 und am Mittwoch 1278. Schon melden die Medien: "Über Nacht 40 Prozent mehr neue Infizierte". 

Montag, 17. August 2020

Tjaden tappt (531)

Bekommt er in meiner
Villa genug Auslauf?
Wie viel Schule passt in Spahns Villa?

Als ich mir das letzte Mal eine 300 Quadratmeter große Villa in einem Nobelviertel gekauft habe, war ich mehrere Tage mit der Einrichtung beschäftigt, denn bei so beengten Wohnverhältnissen will jeder Platz für jedes Möbelstück sorgsam ausgesucht sein, denn sonst kann man sich irgendwann nicht mehr bewegen. Unser Bundesgesundheitsminister Jens Spahn scheint solche Probleme nicht zu kennen. 

Kaum hat er alle Möbel untergebracht, denkt er schon wieder über Corona nach. Kindergärten, Schulen, Wirtschaft und Handel gilt nun sein besonderes Augenmerk. Sie sollen in seiner Gesundheitspolitik einen besonderen Stellenwert bekommen. Da ich ebenfalls Villenbesitzer bin, möchte ich jedoch zu bedenken geben, dass man auf 300 Quadratmetern höchstens zwei Kindergartengruppen, zwei Schulklassen, einen Tante-Emma-Laden und keinen einzigen Betrieb unterbringen kann. 

Wenn es ums Feiern geht, hat Spahn durchaus begriffen, wie eng es in einer derart kleinen Villa werden kann. Deswegen warnt er vor zu vielen Gästen auf zu geringem Raum. Wenn man dann auch noch einen Hund hat, muss auch bedacht werden, was sich Jutta Klöckner für jeden Vierbeiner wünscht. Genug Auslauf nämlich, und zwar zweimal am Tag. Den Hund durch die Villa rennen lassen, reicht nicht. Der Garten muss also noch größer sein als die Villa. 


Samstag, 15. August 2020

Tjaden tappt (530)

Bis uns der Kopf platzt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn meint, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder weiß nicht mehr, der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßt ausdrücklich, das Robert-Koch-Institut überlegt seitdem, ein Psychologe sucht, ein Hirnforscher findet in immer mehr Köpfen lokale Corona-Ausbrüche, Reiserückkehrer, Nachlässigkeiten, Testergebnisse.

Forse non sarà una canzone
A cambiare le regole del gioco
Ma voglio viverla cosi quest'avventura
Senza frontiere e con il cuore in gola
E il mondo in una giostra di colori
E il vento accarezza le bandiere
Arriva un brivido e ti trascina via
E sciogli in un abbraccio la follia

Singen Gianna Nannini und Edoardo Bennato. Deutschland, ein Sommermärchen. 

Sonntag, 2. August 2020

Tjaden tappt (524)

Die Wichtigkeit von Lob und Tadel bei einer Pandemie

Damit das ein für alle Mal klar ist: Da aus der "leichten Grippe" des Virologen Christian Drosten doch eine Pandemie geworden ist, gilt ab sofort: Sinkt die Zahl der neu Infizierten, ist das ein Verdienst von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, steigt sie, liegt das an Markus Söder, der unbedingt auch Bürgerinnen und Bürger testen lassen will, die sonst in keiner Corona-Statistik auftauchen würden. 

Wie das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger zu werten ist, ist Sache der Politik und der Medien.  Sinkt die Zahl der neu Infizierten, ist die Bevölkerung zu loben, steigt sie, ist der Tadel das Gebot der Stunde.  Dabei ist zu beachten, dass die Bundesregierung und die Medien stets einer Meinung zu sein haben. Alles andere könnte die Bevölkerung nur irritieren. 

Wer meint, dass er die Bundesregierung und die Medien loben oder tadeln darf, bekommt eine Eintragung ins Führungszeugnis. Sobald in einer Stadt oder in einem Landkreis die Zahl solcher Eintragungen auf über 50 pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner steigt, ist von einem Risiko-Gebiet auszugehen, das von den anderen Gebieten isoliert werden muss. Die Quarantäne endet erst wieder, wenn sich mindestens die Hälfte der Kritikerinnen und Kritiker als reumütig erweist, fortan bei jedem Einkauf und bei jeder Bus- und Bahnfahrt zwei Alltagsmasken übereinander trägt und von ehemaligen Gesinnungsgenossinnen und Gesinnungsgenossen einen Abstand von mindestens 500 Metern hält. Eine entsprechende Warn-App kann auf den Seiten des Verfassungsschutzes heruntergeladen werden. Geschieht das nicht, kommt ein Verfassungsschützer ohne vorherige Aufforderung persönlich vorbei. 

Mittwoch, 22. April 2020

Tjaden tappt (482)

Sie weiß nicht, was sie will, aber
das weiß sie genau. 
Brandenburg lässt die Maske doch nicht fallen

Manches weiß man eben nicht so richtig. Gestern hat die Gesundheitsministerin von Brandenburg, Ursula Nonnemacher, noch eine Masken-Pflicht abgelehnt, weil es gar nicht genug "sichere Masken" gebe, seit heute soll auch in Brandenburg die Masken-Pflicht eingeführt werden.  Denn über Nacht hat man festgestellt, dass es mit Berlin einen Verkehrsverbund gibt. Und in Berlin herrscht Masken-Pflicht.

Elf Bundesländer schlagen inzwischen die Warnungen der Ärzte in den Wind, die darauf hinweisen, dass Masken dazu führen werden, dass man sich häufiger als sonst ins Gesicht greift.  So macht man den Weg frei für das Virus, man versperrt ihn nicht.  Doch diese elf Bundesländer werden sich wohl damit herausreden, dass sie auch Tücher oder Schals für sinnvoll halten. 

Den Bundesgesundheitsminister wird es freuen. Denn Jens Spahn hat vor einem öffentlichen Termin die Maske falsch herum angelegt.  Wenn er von einer Mitarbeiterin darauf nicht hingewiesen worden wäre, wüsste er das immer noch nicht. 

Aber wir wissen nun eins: Die gemeinsamen Beschlüsse von Bund und Ländern sind nichts wert. Sie dienen nur der Verwirrung.

Anschau-bar

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