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Dienstag, 1. Oktober 2019

Tjaden tappt (422)

Aus dem Kreisel in die Gefahr. 
Was Burgdorf von Radfahrern hält

Sag mir, wie du dich fortbewegst, und ich zeige dir, was ich von dir halte. Denn Burgdorf ist doch nicht Utrecht, wo die Stadt das Radfahren fördert, und zwar mit über 30 Mal so viel Geld je Radfahrer wie die Stadt Burgdorf wahrscheinlich auch am Kleinen Brückendamm.

Folgen Sie mir bitte. Erst einmal zu dem Kreisel am Schwarzen Herzog. Den verlassen wir auf dem Kleinen Brückendamm. Weil es so schön ungefährlich ist. Den Radfahrstreifen kann man bei Regen zwar kaum noch erkennen und die Piktogramme gar nicht mehr, aber dafür dürfen wir nach einigen Metern die Straße verlassen. Wo, sieht man allerdings auch kaum noch. Entdeckt man den Radweg trotzdem, stört einen auch das nasse Laub nicht mehr. Radfahren kommt eben vor dem Fall.

Dafür ist die Fahrbahn des Kleinen Brückendamms schön sauber. Rutschende Radfahrer sind schlicht seliger denn rutschende Autos. Es könnte ja der Bürgermeister vorbeikommen. Der wohnt schließlich in der Nähe und seinen Nächsten sollte man auch als Radfahrer lieben.

Dienstag, 12. Januar 2016

Tjaden tappt (86)

Regen macht unsichtbar

Wenn sich kleine Kinder die Augen zuhalten, meinen sie, sie seien unsichtbar. Einige Erwachsene meinen das bei Regen. Dann regt sich bei ihnen nichts mehr, wenn vor ihnen ein Auto bremst. 

Gebremst habe ich heute auch als Radfahrer. Ich stieg sogar ab und wartete ganz rechts auf dem Weg zwischen Kleinburgwedel und Wettmar, weil mir ein Radler entgegenkam. Der hielt unverdrossen auf mich zu, erst im letzten Augenblick wich er mir aus, rechts von mir, auf dem Grünstreifen zwischen Waldstück und Radweg. Als er wieder Halt gefunden hatte, entschuldigte er sich bei mir. 

Auch in Burgdorf meinte jemand, er sei bei Regen unsichtbar. Dieser Mann begegnete mir weder auf Straße noch auf Radweg, sondern in einem Internetcafé, er saß neben mir an einem Computer. Erst fielen Schüsse. Er machte also ein Computerspiel. Dann stöhnte eine Frau. Er sah sich also einen Porno an.

Wieder andere sind der Meinung, dass sie immer unsichtbar bleiben. Die schreiben anonyme Briefe und beschimpfen einen Trainer des Heesseler SV, bevor sich dieser Verein mit der TSV Burgdorf weiter zusammentun kann. Mit diesem Tun zerstören die Unsichtbaren die Fusionsträume. Der Heesseler SV spielt wieder zuhause, die TSV Burgdorf auch. Wenn es die anonymen Briefschreiber glücklich macht, ist ihnen nicht mehr zu helfen.

Wirklich glücklich sind dagegen laut einer emnid-Umfrage Chefs. Nicht nur dienstlich, sondern auch privat. 81 Prozent der über 50-Jährigen fühlen sich wohl in ihrer Boss-Haut. Mit mir sind es 82 Prozent, denn ich bin sogar mein eigener Chef. Niemand quatscht mir mehr in die Artikel-Suppe, wenn ich noch ein Gewürz hinzufüge. Ich schreibe, was ich denke. Ich denke, also bin ich. Hiermit am Ende meiner Ausführungen. Und suche eine unsichtbare Kuh. Also, Kopfhörer auf und mitsuchen.

"Bei mir ist das Spiel auch unsichtbar", schreibt mir eine "Kreisblatt"-Leserin. Tipp: Die Mouse bewegen...

Anschau-bar

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