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Sonntag, 19. August 2018

Tjaden tappt (291)

In Main genießt
man das Leben
gern am Rhein.
Notizen eines Bahnreisenden (mit Fahrrad) von Burgwedel nach Mainz 

18. August 2018

Das Fest vor dem Staatstheater hat noch nicht begonnen, da denkt diese Mainzerin schon an ihre Geburtstagsfeier und ruft einer Vorübergehenden zu: "Ist dieses Mal am Rosenmontag." Denn nichts ist in Mainz wichtiger als der Karneval. Immer und überall.

16. und 17. August 2018

Nach Mainz kommt man auch von überall. Bahnreisende müssen allerdings in Frankfurt damit rechnen, dass sie auf dem falschen Bahnsteig stehen, weil sie sich auf die Auskunft am Schalter verlassen. Doch die S-Bahn auf Gleis 4 fährt gar nicht nach Mainz, sondern nach Fulda. Wie man nach Mainz kommt, verrät die Bahn - 60 Sekunden vor Abfahrt des Zuges. Von Gleis 1. Mit dem Rad leicht zu schaffen.

Der Weg nach Mainz-Laubenheim ist auch leicht zu schaffen - schön ist er außerdem. Immer am Rhein entlang. Am Ufer wird gespielt oder die Sonne angebetet, lassen Ruderer ihre Boote zu Wasser und Frauen ihrem Kummer freien Lauf: "Er war gestern bei mir, aber nicht da."

Da sind aber viele Japaner. Eine Stadt, in der keine Touristen aus Japan sind, kann man schon vor der Anreise vergessen. Mainz ist jedoch unvergesslich. Deswegen hat sich auch Oliver Mager in diese Stadt verliebt. Singt er am Abend bei einem Auftritt in der "Goldenen Ente" und alle singen und schunkeln mit. Musikalisch begleitet wird er von den "Schnorreswacklern", die auf Mainzer Lieder spezialisiert sind. 

Davon gibt es viele-wie auf dem Wochenmarkt von den Früchten aus der Region. Die werden Stand an Stand auf dem Domplatz angeboten. Von diesem Markt schwärmen alle. Viele verzehren ihre Einkäufe schon am Fischtorbrunnen. Für die Reste gibt es eine Extra-Mülltonne.

18. August 2018

Das Theaterfest hat begonnen. Auf der Bühne wird für das Marotte Figurentheater gearbeitet. Denn am 8. September beginnt das 26. Mainzer Kindertheaterfestival. 

Damit man die Rückfahrt nicht von der Hinfahrt unterscheiden kann, baut die Bahn in Frankfurt wieder eine Panne ein. Die S-Bahn ist eine U-Bahn. Der einzige Lift fürs Fahrrad funktioniert nicht. Dafür funktioniert wieder die Verspätung. Doch Mainz ist jede Panne in Frankfurt wert.  

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Donnerstag, 4. Februar 2016

Tjaden tappt (91)

Mainz-Laubenheim.
4. Februar 1976, Mainz-Laubenheim

"Komm bitte zu mir. M." Fast dreieinhalb Jahre nach der Trennung bekomme ich von ihr dieses Telegramm in Mainz-Laubenheim. Fünf Wörter. Mehr wären teurer gewesen. 

Ein brauner Briefumschlag in meinem Briefkasten aus verwittertem Holz, der an einem großen Holztor hängt. Das Holztor gehört zu einer ehemaligen Bischoffs-Residenz, dicke Mauern, Eichenfußboden, hohe Zimmer, vor jeder Zimmertür eine Stufe. Hinten rechts meine Studentenbude mit Fenster zur Hans-Zöller-Straße, gegenüber ein kleiner Laden für die morgendlichen Brötchen, die ich per Zuruf am Fenster stehend gereicht bekomme. Wenn nicht gerade der Bus vorbeikommt, Lärm machend auf dem Kopfsteinpflaster. Die nächste Haltestelle hinter einem kleinen Platz mit Brunnen, wo ich jeden Morgen einem Mädchen begegne, das mich anschaut und ich dieses Mädchen, doch nie wechseln wir ein Wort miteinander, dennoch sind wir froh, wenn wir uns täglich an dieser Haltestelle begegnen. Das goldene Mainz, in diesem Stadtteil, der einmal ein Weindorf gewesen ist, unglaublich schön.

"Komm bitte zu mir, M." 4. Februar 1976. Ich nehme den nächsten Zug nach Hannover, fahre mit der Stadtbahn nach Linden-Süd, klingele an ihrer Tür. Wiedersehen nach dreieinhalb Jahren. Sie hat gerade das chinesische Horoskop studiert, erklärt es mir, sagt: "Wir passen gar nicht zueinander." 

Gut drei Jahre später hält sie auf der Geibelstraße um meine Hand an, wir sind auf dem Weg zu ihrer Oma, die in einer Senioren-Wohnanlage lebt: "'Wir überraschen Oma mit der Nachricht, dass wir heiraten." Machen wir am 7. September 1979. 4. 2. 1976, 7. 9. 79. Bleiben zwei wichtige Tage in meinem Leben. 

Jahre später, in einer anderen Stadt, höre ich Grönemeyers Lied "Ich hab dich lieb". Dabei denke ich an M. Die Stadt, in der ich zu der Zeit lebe, ist die falsche Stadt für mich. Deswegen kehre ich in die Region Hannover zurück. Ich bin auch schon in Mainz gewesen. In Mainz-Laubenheim. Auf den Spuren meiner Studentenzeit. In der "Goldenen Ente" trinke ich ein Glas Wein. Den Wirt von damals gibt es nicht mehr. Der hat mir sogar dann etwas von der Speisekarte serviert, wenn meine Geldbörse leer war. "Du darfst mir doch nicht vom Fleisch fallen und irgendwann bekomme ich das Geld schon von dir."

4. Februar 2016. 40 Jahre später scheinen meine Broschüren "Wenn Zahlen Streit bekommen" und "Tjaden tappt durch den Altkreis Burgdorf" ein Erfolg zu werden. Hier klicken

  

Anschau-bar

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