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Samstag, 8. Dezember 2018

Tjaden tappt (357)

Rolf Linda ist tot.
Rolf Linda und das Letztendliche

Jede Wette: Kein Sportredakteur hat so oft das Wort "letztendlich" verwendet wie Rolf Linda. Deswegen fragten wir ihn beim "Burgdorfer Kreisblatt" immer  kurz vor Redaktionsschluss, ob seine Berichte über den "kleinen Fußball" letztendlich im Sport- oder im Lokalteil erscheinen sollten. Denn einiges, was in sein Ressort fiel, hatte auch lokale Bedeutung. 

Als zum Beispiel der Fußballplatz von Hertha Otze umgepflügt wurde, weil der Baggerführer einen Bebauungsplan falsch verstanden hatte, ging es um mehr als nur das runde Leder. Wir einigten uns der eindrucksvollen Fotos wegen auf die Burgdorfer Lokalseite, für die ich verantwortlich war. 

Dort platzierten wir - dieses Mal ohne Wissen von Rolf Linda - auch den Ausrutscher eines Verteidigers der TSV Burgdorf im eigenen Strafraum. Das erste Foto zeigte diesen Verteidiger bei der eleganten Ballannahme. In das zweite Foto flog von hinten eine Plastiktüte. Auf dem dritten Foto brachte diese Plastiktüte den Verteidiger zu Fall. 

An meinem ersten Arbeitstag erklärte mir Rolf Linda Burgdorf. "Stell dir in Spanien zwei einsame Straßen vor, die sich kreuzen", sagte er. "Und nun stell dir auf dieser Kreuzung zwei demolierte Autos vor, die zusammengestoßen sind." Das konnte ich mir nicht vorstellen. Warum sollte sich in einer einsamen Gegend solch ein Unfall ereignen? Rolf Linda antwortete: "Weil die beiden Autofahrer aus Burgdorf sind." Bevor er mein Redaktionsbüro wieder verließ, fügte er noch hinzu: "Die Geschichte ist wahr."

Letztendlich wahr ist leider auch, dass Rolf Linda im Alter von 72 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben ist. 

Mittwoch, 14. November 2018

Tjaden tappt (348)

Nehmt den Zug, wenn ihr Rote seid.
Krimi im Stau der Einfälle

Ein Blick wie ein Versehen. Eine Berührung wie ein Irrtum. Ein Kuss wie ein Versprechen. Ihre Brüste kitzeln seinen Bauch. Ihre langen Haare fließen über seine Beine.

Könnte der Anfang eines Romans sein, den ich nur noch schreiben müsste. Doch ich traue mich nicht, denn immer purzeln Gedanken übereinander. Erinnerungen an einen Torwart von Hannover 96, der Sekunden vor dem Abpfiff den Fehlpass eines Gegners noch vor der Torauslinie erreichen will, dabei ins Straucheln kommt, deswegen den Ball in den Strafraum zurücklenkt, wo ein Gegenspieler steht, der die Pille nur noch ins leere Tor spitzeln muss.  4 : 3 für Arminia Hannover. Schluss.


So beginnt mein Krimi "Mord und andere Fouls". Für diese Erzählung suche ich weitere kuriose Geschichten aus der Welt des Fußballs, möglichst aus der Region Hannover. 

Dieser Krimi ist einer der Gründe, warum ich in die Region zurückgekehrt bin. Ich wollte nah an den Schauplätzen sein. Doch seit langer Zeit steckt dieser Krimi im Stau meiner Einfälle, weil mir weitere Storys fehlen. Wer also will an meinem Krimi mitschreiben?

Was ich bisher geschrieben habe

Montag, 24. September 2018

Tjaden tappt (305)

Sonntags immer Flohmarkt.
So unterscheiden sich Oktoberfest und Oktobermarkt

Der Burgdorfer Oktobermarkt und das Münchener Oktoberfest weisen eine Gemeinsamkeit auf: Beide Feste enden am 7. Oktober. Das war´s auch schon mit den Gemeinsamkeiten. 

Kommen wir also zu den Unterschieden: Der Erfolg des Oktoberfestes wird von den Veranstaltern daran gemessen, was die Besucherinnen und Besucher gefressen und gesoffen haben. Das macht der Verkehrs- und Verschönerungsverein nicht. 

In München bewachen 600 Polizisten die Theresienwiese, 47 Videokameras nehmen alles auf. In Burgdorf reichen zwei Streifenwagen, Videoaufnahmen gibt es nur privat.

Während der Wiesn ist Bayern München besonders gut auf dem Rasen. Das kann man von der TSV Burgdorf nur selten behaupten. 

Über den Oktoberfestverlauf herrscht manchmal Uneinigkeit bei den Medien. Deshalb kann es vorkommen, dass man am Stachus am gleichen Abend aus einem Zeitungskasten ein Boulevardblatt mit der Schlagzeile "Wiesn so brutal wie nie" holt und aus dem anderen ein Boulevardblatt mit der Schlagzeile "Oktoberfest friedlich wie selten". In Burgdorf dagegen gibt es nicht einmal Zeitungskästen.

Die Besucherzahlen weichen stark voneinander ab. In München gehen sie in die mehrere Millionen, über den Burgdorfer Oktobermarkt werden in diesem Jahr 28 708 Besucherinnen und Besucher schlendern. 24 Prozent davon sind Frauen zwischen 35 und 44. (Quelle: Facebook, Veranstaltungsankündigung "Stadtfest in Burgdorf", www.facebook.com/burgdorferkreisblatt)

Das Schönste am Schluss: Auf der Theresienwiese ist auch Florian Silbereisen gesichtet worden, in Burgdorf lässt der sich nicht blicken.   

Samstag, 2. Juni 2018

Tjaden tappt (270)

Warten auf den Ball. Foto: Tjaden
Mit linker Mousetaste vergrößern.
Ball kommt zu spät zum letzten RSE-Heimspiel von Kurt Becker

Der Ball hat die über 500 Fans, die Mannschaften und den Schiedsrichter vor dem letzten RSE-Heimspiel von Kurt Becker als Trainer warten lassen. Er traute sich in der Kabine nicht aus dem Netz und musste erst zur Teilnahme überredet werden. Kaum auf dem Rasen wurde er Beckers Bester. Dreimal suchte er den Weg in das Netz der TSV Burgdorf. Dann wurde der verspätete Ball zehn Minuten vor dem Seitenwechsel ausgetauscht. Der neue Ball bevorzugte das Netz im RSE-Tor. Deshalb stand es bei Halbzeit 3 : 1 für die Gastgeber. 

Doch das Ergebnis war nach 45 Minuten ebenso Nebensache wie nach dem Schlusspfiff (Endergebnis 4 : 1). Das Spiel nutzten viele für einen Familienausflug. Der Eintritt war frei, die Gastronomie im RSE-Vereinsheim ist vorzüglich. Auch das Spiel lohnte den Besuch. Die Gastgeber waren den Gästen spielerisch überlegen, die Spielzüge des RSE wirkten durchdachter und hatten die größere Präzision.

Zum Facebook-Bilderbogen

  

Dienstag, 12. Januar 2016

Tjaden tappt (86)

Regen macht unsichtbar

Wenn sich kleine Kinder die Augen zuhalten, meinen sie, sie seien unsichtbar. Einige Erwachsene meinen das bei Regen. Dann regt sich bei ihnen nichts mehr, wenn vor ihnen ein Auto bremst. 

Gebremst habe ich heute auch als Radfahrer. Ich stieg sogar ab und wartete ganz rechts auf dem Weg zwischen Kleinburgwedel und Wettmar, weil mir ein Radler entgegenkam. Der hielt unverdrossen auf mich zu, erst im letzten Augenblick wich er mir aus, rechts von mir, auf dem Grünstreifen zwischen Waldstück und Radweg. Als er wieder Halt gefunden hatte, entschuldigte er sich bei mir. 

Auch in Burgdorf meinte jemand, er sei bei Regen unsichtbar. Dieser Mann begegnete mir weder auf Straße noch auf Radweg, sondern in einem Internetcafé, er saß neben mir an einem Computer. Erst fielen Schüsse. Er machte also ein Computerspiel. Dann stöhnte eine Frau. Er sah sich also einen Porno an.

Wieder andere sind der Meinung, dass sie immer unsichtbar bleiben. Die schreiben anonyme Briefe und beschimpfen einen Trainer des Heesseler SV, bevor sich dieser Verein mit der TSV Burgdorf weiter zusammentun kann. Mit diesem Tun zerstören die Unsichtbaren die Fusionsträume. Der Heesseler SV spielt wieder zuhause, die TSV Burgdorf auch. Wenn es die anonymen Briefschreiber glücklich macht, ist ihnen nicht mehr zu helfen.

Wirklich glücklich sind dagegen laut einer emnid-Umfrage Chefs. Nicht nur dienstlich, sondern auch privat. 81 Prozent der über 50-Jährigen fühlen sich wohl in ihrer Boss-Haut. Mit mir sind es 82 Prozent, denn ich bin sogar mein eigener Chef. Niemand quatscht mir mehr in die Artikel-Suppe, wenn ich noch ein Gewürz hinzufüge. Ich schreibe, was ich denke. Ich denke, also bin ich. Hiermit am Ende meiner Ausführungen. Und suche eine unsichtbare Kuh. Also, Kopfhörer auf und mitsuchen.

"Bei mir ist das Spiel auch unsichtbar", schreibt mir eine "Kreisblatt"-Leserin. Tipp: Die Mouse bewegen...

Anschau-bar

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