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Donnerstag, 20. August 2020

Tjaden tappt (532)

Jugendamt Münster-
Kinderhaus 2010
Foto: Heinz-Peter Tjaden
Vor zehn Jahren und jetzt in Münster-Kinderhaus

Nun sitzt auch die Mutter des Hauptbeschuldigten Adrian V. (27)  in U-Haft. Gegen die Freundin des 27-Jährigen wird ermittelt. Über die hat das Jugendamt von Münster Stunden vorher noch in einem Interview mit den "Westfälischen Nachrichten" gesagt: "Gegen die lag nichts vor." 

In einer Laube in Münster-Kinderhaus werden Kinder missbraucht. Dazu gehört auch der Sohn (10) von Adrian V. Mutter, Vater und Sohn leben unter einem Dach. Die Polizei wird Monate brauchen, um die Dateien auszuwerten. Was sich die Beamten ansehen müssen, geht weit über die Grenzen ihrer Vorstellungskraft hinaus. Immer mehr Mitglieder des Kinderporno-Ringes fliegen auf. Jetzt eins aus Saarbrücken. 

2015 findet ein Verfahren vor dem Familiengericht in Münster statt. Es geht um den Sohn von Adrian V., der inzwischen zwei Mal wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie vorbestraft ist. Das Gericht meint, dass die Freundin des 27-Jährigen in der Lage sei, das gemeinsame Kind vor Adrian V. zu schützen. Der Zehnjährige wird nicht angehört. Er wird seinem Schicksal überlassen. 

In einem Artikel über diesen Skandal wird Münster-Kinderhaus dieser Tage von der Wochenzeitung "Die Zeit" in Kinderborn umgetauft. Die Autorin macht sich Gedanken darüber, warum Laubenpieper nicht mitbekommen, was in ihrer Siedlung geschieht. Und warum bekommen Jugendämter und Familiengerichte nicht mit, was geschieht?

Ich kenne das Jugendamt Münster-Kinderhaus. 2010 schaltet mich eine Mutter ein, die um ihre beiden Kinder kämpft. Das Jugendamt lehnt ein Gespräch mit mir ab, das Familiengericht will mich nicht als Beistand der Mutter dulden. Begründung: "Herr Tjaden berichtet im Netz über diesen Fall." Andere Gerichte lassen mich jedoch als Beistand zu. Vor dem Verwaltungsgericht Münster weise ich dem zuständigen Mitarbeiter des Jugendamtes Münster-Kinderhaus die Fälschung der Gefährdungsmeldung nach, mit der dieser Fall ins Rollen gebracht worden ist. Kümmert die Richterin nicht. Die Familienrichterin erwartet von der Mutter ein anderes Verhalten, da sie doch aus Chile stamme. Die Mutter stammt aus Costa Rica. 

Das Jugendamt Münster-Kinderhaus bevorzugt unablässig den deutschen Vater der Kinder.  Wenn er seine ehemalige Freundin in Münster-Kinderhaus besucht, ist das in Ordnung, besucht sie ihren ehemaligen Freund, gibt es Ärger mit dem Jugendamt. Die Geschwister sind seit 2009 getrennt. Der Junge lebt beim Vater. Obwohl ich bis heute eine allumfassende Vollmacht der Mutter habe, verrät mir niemand, wo sich die Schwester des inzwischen Dreizehnjährigen befindet. Die Mutter weiß das auch nicht.  Der Junge vermisst seine Schwester. 


Donnerstag, 3. März 2016

Tjaden tappt (100)

Wer zu früh kommt, den bestrafen die Medien

Für den Blog-Hinweis "Das Netz" mache ich schon lange keine Werbung mehr, dennoch rückt er unter "Beliebte Posts" immer wieder nach ganz oben, wird derzeit wieder um die 50 Mal am Tag angeklickt.

Die Geschichte ist so unglaublich, dass ich sie nicht für möglich halten würde, wenn ich als direkt Betroffener nicht dabei gewesen wäre. Die Frage, worunter die Glaubwürdigkeit der Medien leidet, stelle ich mir seither nicht mehr. Wenn mich ein Journalist anruft, weil er etwas wissen will, bekomme ich stets ein flaues Gefühl im Magen, wenn es um heikle Themen geht.

Wer mit einem Thema zu früh kommt, wird oft von den Medien bestraft. Wie ich beispielsweise ab 2008 mit meiner Kritik an deutschen Jugendämtern, die sich im Netz rasend schnell verbreitet hat und dazu führte, dass sich viele Betroffene bei mir meldeten, denen ich anschließend half, so gut es eben ging - und es ging nicht immer gut, weil aus Kindern längst Aktenzeichen geworden waren, die irgendwann wichtiger geworden sind als das Wohl der Kinder. 

Anfang 2011 meldete sich bei mir ein Redakteur der "Westfälischen Nachrichten", der sich angeblich um den Fall einer Mutter aus Münster kümmern wollte. Ich gab ihm ihre Telefonnummer. Eines Sonntags bekam ich aus Münster eine mail nach der anderen. Ich solle doch einmal lesen, was der Redakteur geschrieben hatte. Das sei schlicht unglaublich. 

Ich fand den Artikel im Netz, der sich fast nur um mich drehte. Ich sei ein selbsternannter Kinder-Anwalt hieß es, der Bericht endete mit der Behauptung: "Seine Familie hält ihn für ein wenig verwirrt." Allerdings hatte dieser Redakteur mit keinem Mitglied meiner Familie gesprochen, sein Schlusssatz war frei erfunden. Sein Ziel war mir klar: Dieser Redakteur wollte das Jugendamt schützen, auf meine Familie und mich diffamieren komm raus. Mit mir hatte er deswegen wohl auch nicht gesprochen. 

Heute streitet kaum jemand noch ab, dass es um das Kinder- und Jugendhilfesystem in Deutschland schlecht bestellt ist, dass sich Gerichte auf Gutachter verlassen, die für diese Aufgabe überhaupt nicht qualifiziert sind, hat auch das Bundesjustizministerium inzwischen begriffen. Doch der bisherige Entwurf für ein neues Gesetz lässt kaum Besserung erwarten.

Vieles hätte schon vor fast 20 Jahren besser werden können. In der Evangelischen Akademie Bad Boll hat vom 9. bis 11. Dezember 1998 eine Tagung stattgefunden, bei der ein Richter feststellte, dass fast alle Familiengutachten unbrauchbar sind. Dieser Richter wurde später Familienanwalt, immer wieder wiederholte er seine Kritik - gehört wurde er lange nicht. Andere auch nicht.

Wenn jemand mit einem Thema zu früh kommt, wird er von den Medien bestraft. Oder nicht erwähnt...


Erwähnt sei noch, dass ich die oben erwähnte "Netz"-Geschichte in einem e-book mit dem Titei "Wenn Zeitungsenten abheben" erzählt habe. Hier klicken Die Print-Ausgabe hat den Titel "Flieg, Zeitungsente, flieg" und ist bei www.lulu.com erhältlich. 

Wie die Zeitungsente zur Welt gekommen ist







    

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