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Freitag, 12. Juni 2020

Tjaden (506)

Live-Ticker mit Kreisliga-Niveau.
Das Corona-Virus im Live-Ticker

Was früher der Live-Ticker während eines Champion-League-Spieles gewesen ist, ist heute der Corona-Virus-Live-Ticker. Am Ball sind allerdings fast immer die gleichen Akteure. Christian Drosten vermutet eine Mutation des Corona-Virus, während der Virologe Oliver Keppler vermutet, dass es selbst für das gegenwärtige Corona-Virus nie einen perfekten Impfstoff geben wird, der Virologe Hendrik Streeck vermutet weiterhin, dass die Ausgangssperre zu früh gekommen ist, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vermutet, dass dort, wo die Regeln eingehalten werden, die Zahl der Genesenen größer ist als die Zahl der Neuinfizierten. 

Zu den Einwechselspielern gehört der HIV-Entdecker Robert Gallo, weil der vermutet, dass die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung, die ich als Kind bekommen habe, auch gegen das Corona-Virus hilft. Das ist derzeit mein Lieblingsspieler. 

Doch es gibt auch noch ein Leben nach dem Live-Ticker. Ein Schüler erzählt mir, dass auch bei halber Klasse in seiner Schule die Abstandsregel während des Unterrichtes nicht eingehalten werden kann. "Wir schaffen nur 1,30 Meter", sagt er. Mein gesunder Menschenverstand fragt mich, was die Mehrwertsteuersenkung bringen soll. "Eine Ware, die mit Mehrwertsteuer 1,19 Euro kostet, kostet dann 1,16 Euro", rechnet er mir vor und fragt: "Wegen der 3 Cent steigt die Nachfrage?"




Freitag, 20. März 2020

Tjaden tappt (457)

Das Corona-Schild
zur Ausgangssperre. 
Kleine Corona-Geschichten ohne den nötigen Abstand

Kaffee trinke ich neuerdings in einem Burgdorfer Supermarkt. Dort, wo der Leergutautomat steht, steht auch der Kaffeeautomat. Kaffee aus der Schweiz. Ein Euro. Sehr lecker. Und sehr heiß.

Zwei Frauen albern herum, bestehen auf einen Abstand von einem Meter 50, eine Verkäuferin macht den Leergutautomaten sauber. Sie erzählt mir, dass sie ab nächster Woche an der Kasse hinter Plexiglas sitzt. Hinter ihr steht ein Kunde mit einer Getränkekiste. Er hat Zeit. 

Eine Mutter empört sich über die Lehrerin ihres neunjährigen Kindes. "Die hat Zeitungen in den Unterricht mitgebracht. Sie las den Kindern Berichte über das Corona-Virus vor. Neunjährigen Kindern! Mein Kind kann seitdem nachts nicht mehr schlafen."

Die Verkäuferin hat ihre Arbeit beendet. Zwei offenbar eng befreundete Mädchen verlassen den Supermarkt. "Hier müssen wir keinen Abstand mehr halten", sagt die eine etwa Zwölfjährige zur anderen. 

Deswegen droht der niedersächsische Innenminister mit einer Ausgangssperre?, frage ich mich. Denn inzwischen kenne ich die Corona-Schlagzeilen der im Supermarkt angebotenen Zeitungen. Ein Bekannter, den ich lange nicht mehr gesehen habe, fragt mich nach meinem Hund. "Der ist tot", sage ich und hoffe, dass niemand mithört. Wie leicht entsteht in einer Kleinstadt ein Gerücht. "In Burgdorf soll es den ersten Corona-Toten geben", könnte es lauten. 

Doch auch die Verbreitung von Gerüchten ist inzwischen verlangsamt. In der Stadt ist kaum jemand. Da auch die Buchhandlungen und die Bücherei geschlossen sind, hat eine Burgdorferin Bücher dabei, mit denen sie den öffentlichen Bücherschrank in der Marktstraße füttern will. "Lesefutter für die Ausgangssperre", sagt sie. Der Abstand zwischen uns beiden beträgt keine 30 Zentimeter. 

Ab morgen werde ich meine sozialen Kontakte einschränken, denn in den Nachrichten habe ich gerade gehört, dass sich die Bundesregierung am Wochenende genau anschauen will, wie wir uns verhalten. 


Anschau-bar

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