Tjaden tappt (100)

Wer zu früh kommt, den bestrafen die Medien

Für den Blog-Hinweis "Das Netz" mache ich schon lange keine Werbung mehr, dennoch rückt er unter "Beliebte Posts" immer wieder nach ganz oben, wird derzeit wieder um die 50 Mal am Tag angeklickt.

Die Geschichte ist so unglaublich, dass ich sie nicht für möglich halten würde, wenn ich als direkt Betroffener nicht dabei gewesen wäre. Die Frage, worunter die Glaubwürdigkeit der Medien leidet, stelle ich mir seither nicht mehr. Wenn mich ein Journalist anruft, weil er etwas wissen will, bekomme ich stets ein flaues Gefühl im Magen, wenn es um heikle Themen geht.

Wer mit einem Thema zu früh kommt, wird oft von den Medien bestraft. Wie ich beispielsweise ab 2008 mit meiner Kritik an deutschen Jugendämtern, die sich im Netz rasend schnell verbreitet hat und dazu führte, dass sich viele Betroffene bei mir meldeten, denen ich anschließend half, so gut es eben ging - und es ging nicht immer gut, weil aus Kindern längst Aktenzeichen geworden waren, die irgendwann wichtiger geworden sind als das Wohl der Kinder. 

Anfang 2011 meldete sich bei mir ein Redakteur der "Westfälischen Nachrichten", der sich angeblich um den Fall einer Mutter aus Münster kümmern wollte. Ich gab ihm ihre Telefonnummer. Eines Sonntags bekam ich aus Münster eine mail nach der anderen. Ich solle doch einmal lesen, was der Redakteur geschrieben hatte. Das sei schlicht unglaublich. 

Ich fand den Artikel im Netz, der sich fast nur um mich drehte. Ich sei ein selbsternannter Kinder-Anwalt hieß es, der Bericht endete mit der Behauptung: "Seine Familie hält ihn für ein wenig verwirrt." Allerdings hatte dieser Redakteur mit keinem Mitglied meiner Familie gesprochen, sein Schlusssatz war frei erfunden. Sein Ziel war mir klar: Dieser Redakteur wollte das Jugendamt schützen, auf meine Familie und mich diffamieren komm raus. Mit mir hatte er deswegen wohl auch nicht gesprochen. 

Heute streitet kaum jemand noch ab, dass es um das Kinder- und Jugendhilfesystem in Deutschland schlecht bestellt ist, dass sich Gerichte auf Gutachter verlassen, die für diese Aufgabe überhaupt nicht qualifiziert sind, hat auch das Bundesjustizministerium inzwischen begriffen. Doch der bisherige Entwurf für ein neues Gesetz lässt kaum Besserung erwarten.

Vieles hätte schon vor fast 20 Jahren besser werden können. In der Evangelischen Akademie Bad Boll hat vom 9. bis 11. Dezember 1998 eine Tagung stattgefunden, bei der ein Richter feststellte, dass fast alle Familiengutachten unbrauchbar sind. Dieser Richter wurde später Familienanwalt, immer wieder wiederholte er seine Kritik - gehört wurde er lange nicht. Andere auch nicht.

Wenn jemand mit einem Thema zu früh kommt, wird er von den Medien bestraft. Oder nicht erwähnt...


Erwähnt sei noch, dass ich die oben erwähnte "Netz"-Geschichte in einem e-book mit dem Titei "Wenn Zeitungsenten abheben" erzählt habe. Hier klicken Die Print-Ausgabe hat den Titel "Flieg, Zeitungsente, flieg" und ist bei www.lulu.com erhältlich. 

Wie die Zeitungsente zur Welt gekommen ist







    

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