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Freitag, 24. April 2020

Tjaden tappt (483)

"Bild", 23. 4. 20
Überall findet Corona-Virus statt

Franz Josef Wagner hat wieder einmal einen genommen. Wie er das Gesöff an seiner Maske vorbeigeschmuggelt hat, verrät er hoffentlich in einer der nächsten "Bild"-Ausgaben. Wahrscheinlich ist es der gleiche Fusel, den die Ministerpräsidenten der Länder in sich hineingeschüttet haben, bevor sie die Masken-Pflicht einführten, um die Ansteckungsgefahr zu erhöhen. 

Einiges von dem, was Wagner schreibt, ist aber auch fast richtig. Zum Beispiel: "Die Maske gibt mir ein bisschen Freiheit." Nicht nur ein bisschen Freiheit, sondern auch ein neues Hobby, denn mit seiner Maske kann er nun unzählige Viren in Supermärkten und in der Straßenbahn einsammeln und in seiner Wohnung wieder frei lassen. Andere haben ein Aquarium mit Piranhas...

Völlig richtig ist: "Man kann nicht küssen. Man kann nicht rauchen." Allerdings ist es noch nie ratsam gewesen, mit einer Zigarette im Mund jemanden zu küssen. Das wird wohl ebenfalls stimmen: "Ich habe mir Masken in der Apotheke gekauft." Daran muss aber gezweifelt werden: "Ich setze sie auf." Alle auf einmal, weil das Viren einsammeln solch einen Spaß macht?

Natürlich kommen auch immer Gefühle ins Spiel. Sogar bei Wagner, der schon bei der "Bunten" als ziemlicher Macho-Chefredakteur gegolten hat: "Ich fühle mich wie ein Virus-Fighter, ein Krieger, ein Kämpfer." Muss er auch sein. Denn das von ihm angelockte Virus ist gefährlich. Da kann Wagner noch so viel "Star Wars" gucken, das Virus wird immer bei ihm sein. 

Auch in Burgdorf und anderswo laufen Leute schon mit Masken herum. Sogar Mitglieder des Rates.  Denn überall soll Virus stattfinden. 

Samstag, 15. Februar 2020

Tjaden tappt (447)

Mirko Zschoch-der Mann
aus der Mottenkiste.  
Ein politischer CDU-Wirrkopf bei Facebook und im Burgdorfer Rat

12. Februar 2020. Die Facebook-Seiten des Burgdorfer CDU-Ratsherrn Mirco Zschoch sind eine wahre Fundgrube für politische Wirrköpfe. Was dieser Vorsitzende der Werteunion gut findet, findet sicherlich auch die AfD gut. Die Wahl von Thomas Kemmerich zum FDP-Ministerpräsidenten von Thüringen feiert er mit anderen Rechten aus seiner Partei als Erfolg eines Demokraten, der die Wahl eines  Ministerpräsidenten verhindert hat, der angeblich zu einer "teilweise verfassungswidrigen Partei" gehört. 

Gemäß dem Bibelspruch "Wahrlich, ihr seid die Rechten, mit euch wird die Weisheit untergehen" freut sich Mirco Zschoch noch, als Thomas Kemmerich schon wieder Geschichte ist. Und der einstige Ministerpräsident einer angeblich "teilweise verfassungswidrigen Partei" soll die Dinge verfassungsgemäß wieder in Ordnung bringen, während sich in Thüringen CDU und FDP vor der Neuwahl fürchten. Die können dieses Mal wohl kaum auf die Vergesslichkeit der Wählerinnen und Wähler hoffen.

Detlef Knauer von den Burgdorfer Grünen fordert für die nächste Ratssitzung eine Diskussion über das krause Zschoch-Zeug, die CDU soll sich von Mirco Zschoch, von der Werteunion und von der AfD distanzieren. Die Jusos fordern schon den Rücktritt dieses CDU-Ratsherrn.  In der Bundes-CDU werden derweil die Hüte in den Ring geworfen, den Annegret Kramp-Karrenbauer verlassen will. 

Dass bis heute niemand in der Burgdorfer CDU zur Kenntnis genommen hat, wen sie in ihren Reihen hat, ist so unwahrscheinlich wie ein einziger kluger Beitrag von Mirco Zschoch. Erstens gibt es keine teilweise verfassungswidrigen Parteien, das Bundesverfassungsgericht kann nur über verfassungswidrig oder nicht verfassungswidrig entscheiden. Was die Linke fordert, ist vom Grundgesetz gedeckt. Dazu empfehle ich die Lektüre der Artikel 14 und 15. Bodo Ramelow gehört zu den wenigen Politikern, die nicht nur klar denken, sondern auch noch klar handeln können. Kürzlich ist er bei Markus Lanz gewesen und alle waren beeindruckt von seiner Ehrlichkeit und Offenheit.  Warum seine Partei bei der Landtagswahl nicht noch stärker geworden ist als geschehen, ist ein großes Wähler-Geheimnis. 

Und noch eins: Wer die Linke als Nachfolgepartei der SED bezeichnet, der muss die Ost-CDU als Nachfolgepartei der DDR-Blockflöten bezeichnen, die jedes garstige Lied der SED mit gespielt haben.  Der CDU-Wahlkampfspruch "Freiheit statt Sozialismus", den Mirco Zschoch auf seinen Facebook-Seiten benutzt, stammt übrigens aus dem Jahre 1976, heute wird er von der AfD verwendet.

Dass Freiheit und Sozialismus kein Widerspruch sind, hat Salvador Allende in Chile bewiesen, als er damit allzu erfolgreich war, trieben ihn die Rechten in den Selbstmord...

Dumm fälscht gern. 
Homophob ist er nicht - er fälscht und hetzt nur gern

15. Februar 2020. Nun schwappt die Welle der Empörung auch in die Region Hannover. Jusos und Grüne Jugend solidarisieren sich mit ihren Parteifreunden in Burgdorf, sie berichten von persönlichen Angriffen und von Hasskommentaren. Heute bin ich auch von einem CDU-Regionsabgeordneten auf dieses Thema angesprochen worden. Er empörte sich besonders über die Behauptung der Jusos, Mirco Zschoch sei homophob und Menschen verachtend.

Deshalb habe ich noch einmal die Facebook-Seiten dieses CDU-Ratsherrn und Vorsitzenden der Werte-Union in der Region Hannover aufgerufen. Eine feindselige Äußerung gegenüber Homosexuellen habe ich dort nicht gefunden. Gefunden habe ich dafür viele falsche oder aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, negative Äußerungen gegenüber Angela Merkel und von Unkenntnis zeugende Kommentare.

Der ehemalige CDU-Ministerpräsident Bernhard Vogel soll beispielsweise gesagt haben, man habe nach der Wahl von Thomas Kemmerich einem Mann der Mitte zur Wahl gratuliert. Das kann nicht stimmen oder Bernhard Vogel redet mal so und mal so. Bei Markus Lanz jedenfalls sagte er, die Annahme der Wahl sei ein Fehler gewesen. Zu einem Fehler gratuliert man niemandem. Hoffe ich.

Auf den Facebook-Seiten von Mirco Zschoch gibt es eine Gleichsetzung von Linken und AfD. Die hat Bernhard Vogel bei Markus Lanz abgelehnt. Außerdem spielt dieser CDU-Ratsherr und Vorsitzende der Werte-Union gern eine Gruppe gegen die andere aus: Fleißige Pflegekräfte gegen eine angeblich faule Kunststudentin zum Beispiel. Von der gibt es sogar ein Foto. Sollte es diese Frau wirklich geben, würde ich ihr eine gepfefferte Klage gegen Mirko Zschoch empfehlen.

Jusos und Grüne Jugend sollten Mirco Zschoch keinesfalls nacheifern.





Montag, 23. Juli 2018

Tjaden tappt (283)

Die Möwe

Sie war eine alte Möwe, viel zu alt, um hinter den jungen Fischen, die fröhlich durch das Wasser schießen, her zu jagen. Für sie blieben nur die alten Fische, die so müde waren wie sie. Die Möwe war alt, aber sie hatte die Welt gesehen und viel erlebt. Sie mochte die Möwen nicht, die sich von Touristikdampfern aus füttern ließen.

Brotbrocken fliegen in den Himmel, ein leichte Beute, ein waghalsiger Sturz bis fast zur Wasseroberfläche als Zugabe, damit die Hände der Touristen nach weiteren Brotbrocken greifen. Sie hatte sich nie verkauft. Ihr Gefieder glänzte nicht mehr, war aber immer noch schön, weil sie frei war, frei von brotbrockenschleudernden Touristenarmen.

Die alte Möwe landete im weißen Sand, ganz dicht bei einem Liebespaar, sie wollte nicht lauschen, aber das schwarzhaarige Mädchen sprach von ihren Träumen, deshalb flog sie nicht davon.

Das Mädchen sagte: „Ich möchte leben.“

Auszug aus "Von klugen Tauben und dummen Falken-Kurze Geschichten über Tiere und Mörder", Juli 2018

Sonntag, 9. November 2014

Tjaden tappt (XVIII)

Der Mauerfall: Merkel in der Sauna - ich im Auto

"In diesem Jahr feiert die Deutsche Demokratische Republik ihren 25. Geburtstag. Am 7. Oktober 1949 trat sie ins Leben. An diesem Tag schufen sich deutsche Arbeiter und Bauern ihren eigenen Staat. Wilhelm Pieck, Mitkämpfer von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Ernst Thälmann wurde ihr erster Präsident.

Unter Führung der geeinten marxistisch-leninistischen Partei der Arbeiterklasse, der SED, ist die DDR zu einem stabilen, angesehenen sozialistischen Staat geworden."

Schreibt der Parteivorstand der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) vor 40 Jahren in einer internen Schulungsbroschüre. Der Titel lautet "25 Jahre DDR - Der reale Sozialismus und die Auswirkungen auf die Kampfbedingungen der Arbeiterklasse in der BRD".

15 Jahre später wird dieser Staat per friedlicher Revolution wieder abgeschafft. Wie Angela Merkel - sie ist mit einer Freundin in der Sauna gewesen - weiß natürlich auch ich, wo ich am 9. November 1989 gewesen bin. Ich saß in meinem Auto, hörte Radio, eine Ost-Berlinerin erzählte, dass sie ihren Mann nicht wach bekommen habe, deshalb sei sie allein nach West-Berlin gegangen. "Mein Mann wird staunen, wenn ich ihm das morgen berichte", sagte sie. Am 9. November 1989 haben DDR-Bürgerinnen also nicht nur in der Sauna gesessen, zumindest ein DDR-Bürger hat den Mauerfall verschlafen. Den Seinen gibt es die friedliche Revolution im Schlaf...

1986 bin ich das erste Mal in der DDR gewesen. In Dittersdorf. Junge Leute knatterten auf ihren Mopeds aufgeregt in ein Nachbardorf. Dort gab es die erste private Eisdiele. Eine junge Frau erzählte mir, dass sie nicht studieren dürfe, weil sie Christin sei. Ihre Mutter war stolz darauf, dass sie noch nie ein Wahllokal betreten hatte: "Die kommen nach Schließung der Wahllokale immer zu uns und fordern uns zur Stimmabgabe auf." Ich wurde gefragt, was aus der DDR wird. Ich antwortete: "Die könnt ihr in ein paar Jahren vergessen. Vorher wird aber noch Egon Krenz Staatsratsvorsitzender." "Das ist aber kein Gorbi", sagte jemand.

"Sozialismus - das heißt Frieden, Freiheit, Wohlstand für die arbeitenden Menschen, für das Volk. Alles, was den Sozialismus stärkt, dient der Arbeiterklasse und dem Freiheitskampf der Völker in der ganzen Welt, dient dem Frieden und der Entspannung.

Deshalb ist der 25. Geburtstag der DDR, den sie mit neuen Erfolgen und neuen Vorhaben bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft begeht, ein Feiertag auch für jeden Kommunisten, für jeden fortschrittlichen und friedliebenden Menschen in der Bundesrepublik."

Endet die Schulungsbroschüre der Deutschen Kommunistischen Partei. Das Ende der DDR hätte die DKP eigentlich auch erahnen können, denn 1973 hat der Parteivorstand eine Schulungsbroschüre mit dem Titel "Arbeiterklasse und Freiheit" veröffentlicht. Darin hieß es: "Das Wort Freiheit ist nicht das einzige, das so häufig mißbraucht wird. Auch den Begriffen gut, wahr, menschlich, demokratisch - um nur einige zu nennen - geht es ebenso." Bis die Leute auf die Straße gehen...

Ich habe eine Broschüre über diese Zeit geschrieben. Sie heißt "Ein anderer deutscher Herbst" und ist bei www.lulu.com erschienen. Hier klicken Ein Exemplar gab ich vor einigen Wochen dem Geschäftsführer des Burgdorfer Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV), Gerhard Bleich, und schlug einen Lese- und Diskussionsabend vor. Seine Antwort: "Glauben Sie, dass sich dafür noch jemand interessiert?" Dennoch wolle er mit dem VVV über meinen Vorschlag diskutieren. Das war es dann zu diesem Thema...






Anschau-bar

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