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Montag, 19. August 2019

Tjaden tappt (411)

Wahres und Erfundenes.
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Seltsam, "Bild" Hannover zu lesen, kein Absatz sieht den anderen (frei nach Hermann Hesse)

Einige werden das Gedicht von Hermann Hesse kennen, in dem kein Baum den anderen sieht, weil es nebelig ist. Ebenso viele haben heute wahrscheinlich den "Bild"-Bericht auf Seite 9 mit der Überschrift "Gönnt man ihr die Liebe nicht?" gelesen und nicht mehr durchgeblickt. 

Erst einmal erfährt man: Diese Frage stellt der Redakteur C. Perrevoort angeblich im Namen einer Mutter aus Hildesheim, die nicht allein sein wollte, als man ihr vor einer Woche ihre Kinder Jamie (9) und Aurelia (11) weggenommen hat. Nach den ersten beiden Absätzen stellt man sich dieselbe Frage wie der Redakteur. 

Doch dann sieht man die Liebe nicht mehr. "Die 39-Jährige hat keinen Beruf, keinen Abschluss", schreibt der Redakteur, "ihr Stiefvater schlug sie", "der Vater der Kinder hat (sie) geschlagen, misshandelt und vergewaltigt". Schließlich verliert die bei "Bild" Hilfe suchende Mutter das Sorgerecht, ein anonymer Anrufer schwärzt sie beim Jugendamt an, weil sie angeblich ihre Kinder schlägt. 

Trotzdem wirft C. Perrevoort  alle Zweifel an der Mutter aus dem siebten Absatz, aber nur bis zum zweiten  Satz: "Doch ihr Junge spricht kaum, hat Konzentrationsschwierigkeiten." Der dritte Satz lautet: "Das Mädchen soll laut Gutachten zu loyal gegenüber der Mutter sein, so dass es sich nicht frei entwickeln wird."

Okay, könnte man jetzt sagen, das ist typisch Jugendamt und Gutachter, die mögen enge Beziehungen zwischen Mutter und Kind nicht, es sei denn, sie finden etwas anderes, um einen Kindesentzug zu rechtfertigen, aber wo endet das Gutachten und wo beginnt die Einschätzung des Redakteurs?

Laut "Bild" Hannover leben die Kinder seit einer Woche in einer Wohngruppe bei Salzgitter. Immerhin: Man scheint sie nicht getrennt zu haben. Die Mutter kündigt die Einschaltung eines Anwaltes ein. Sie hat noch keinen? Trotz Sorgerechtsentzuges und Gutachten, das von einem Gericht in Auftrag gegeben worden sein muss? 

Jugendämter neigen zu Unverständlichem. Aber: Muss ein Artikel darüber ebenfalls unverständlich sein?

Freitag, 22. August 2014

Tjaden tappt (XII)








Zeitungen brauchen heutzutage jede Leserin und jeden Leser. Einige überregionale Blätter kommen schon lange aus dem Minus nicht mehr heraus. Deswegen wird geworben, was das Lock-Zeug hält. Also habe auch ich eines Tages eine Postkarte bekommen, auf der mir ein 14-tägiges Probeabonnement für fünf Euro angeboten wurde. Als Geschenk kündigte mir der Madsack-Konzern einen Rossmann-Gutschein an, der ebenfalls fünf Euro wert war. Darauf ließ ich mich ein.

Wer die "Neue Presse" liest, dem fällt schnell auf, wie bemüht die Redaktion ist, wenn es um Originalität geht. Das fängt bei den Schlagzeilen an, die so gut sein sollen wie die von "Bild" Hannover. Dieser Versuch scheitert täglich. Wenn das Produkt nicht viel taugt, müssen die Beigaben umso attraktiver sein. Sind sie gewesen, als ich aus dem Probeabonnement ein Abonnement machen sollte. Der Verlag versprach mir ein Geldgeschenk in Höhe von 105 Euro und Vergünstigungen bei so manchem Einkauf und bei so mancher Veranstaltung.

Weitere zwei Wochen später jedoch war ich nur noch bemüht, wenn ich der "Neuen Presse" etwas Originelles abgewinnen wollte. Also rief ich den Vertrieb an. Erst einmal erkundigte ich mich nach dem Geldgeschenk in Höhe von 105 Euro. Das bekäme ich noch nicht, erklärte mir die Mitarbeiterin, obwohl das Werbeversprechen anders gelautet hatte. Diesen Hinweis wischte die Mitarbeiterin sofort vom Tisch - und dann erwischte ich sie noch einmal auf dem falschen Fuß, als ich um Zustellung der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" bat. Auf die "Neue Presse" wolle ich verzichten.

Danach bekam ich gar keine Zeitung mehr. Einige Tage später teilte mir der Verlag mit, mein Abonnement sei beendet, der Verlag und ich seien quitt. Was sich in dem Verlag wohl noch nicht herumgesprochen hat, denn inzwischen bekomme ich einen Kontoauszug nach dem anderen mit der Bitte um Begleichung meiner Schulden. Sonst bekäme ich keine Zeitung mehr.

Das wird nichts mehr, habe ich auch festgestellt, als ich einen Leserbrief an die "Neue Presse" schickte. Hier klicken

Anschau-bar

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