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Mittwoch, 16. Oktober 2019

Tjaden tappt (425)

Erfolgreich gestartet.
Foto: Rhein-Neckar-Zeitung 
Märchenhafte Tage ohne Tageszeitungen

Seit Wochen lese ich keine Zeitungen mehr. Den Tipp hat mir ein Schweizer gegeben. Auf die Schweiz komme ich gleich noch einmal zurück. "Du fühlst dich dann besser. Lies Bücher", sagte der Tippgeber. Da ich meine eigenen Bücher bereits kenne, bediene ich mich in Burgdorf. Dort gibt es einen öffentlichen Bücherschrank. Dort entdeckte ich "Die schönsten Märchen" von Rafik Schami und vergaß die  Tageszeitungen.

Dieser preisgekrönte Autor aus Damaskus verzauberte mich mit seinen Weisheiten, mit seinem leisen Spott für religiösen Humbug und für alle, die andere oder sich selbst ins Bockshorn jagen wollen. Dass jeder, der meint, er verdiene zu Recht im Jahr eine zweistellige Millionensumme, bescheuert sein muss, wusste ich zwar schon, dass man über diese Bescheuerten lachen sollte, kann man aber gar nicht oft genug lesen.

In Schamis Märchen wird auch nicht ewig gelebt und vorher geheiratet: "Na, Sie wollen noch wissen, ob der König Samira heiratete, ja? Man hat es den beiden zwar empfohlen, doch auf ein solch abgenutztes Ende der Geschichte hatten sie keine Lust und haben darauf verzichtet."

Der bereits erwähnte Schweizer erzählte mir noch etwas anderes. Der Spruch "Je oller, je doller" ist zwar so abgenutzt wie heiraten in Märchen, aber auch in der Schweiz gibt es diese Männer, die nicht nur von ihrem Alter, sondern auch von ihrem Reichtum um den Verstand gebracht werden. Einer von ihnen heißt Christoph Blocher.

Dass die Schweiz keine AfD braucht, so lange sie die Schweizerische Volkspartei (SVP) hat, dürfte jedem politisch Interessiertem bekannt sein. Dass aber seit dem 14. Januar 2018 eine Zeitungsgenossenschaft versucht, die SVP und Blocher in Schach zu halten, dürfte nicht allen bekannt sein. Die Leserinnen und Leser des Online-Magazins "Republik" sind gleichzeitig Genossinnen und Genossen, sie finanzieren also die Nachrichten. Klingt wie ein Märchen von Rafik Schami, denn der Bruder von Christoph Blocher, der als Pfarrer genauso rechts war wie Christoph, ist inzwischen gestorben.

Donnerstag, 29. Juni 2017

Tjaden tappt (219)

Bleibt auch bei Regen trocken.
Dieser Jubiläumsband wird auch bei Regen nicht nass

Heute hat im Burgdorfer Bücherschrank, der nicht nur öffentlich, sondern auch noch hübsch ist, die Jubiläumsausgabe "Ephraim Kishon-Alle Satiren" gestanden. Aber nicht mehr lange. Ich nahm sie mit.

Nach meinem Einkauf im Netto-Markt lagen die über 1100 Seiten unter einer Plastiktüte, Petrus ließ es zwischen Wettmar und Kleinburgwedel wieder einmal über allen Radfahrerinnen und Radfahrern regnen, deshalb suchte ich Schutz unter einem Vordach, wo bereits ein Rentner-Ehepaar stand, das mir versicherte, der Regen sei vorhergesagt worden, worauf ich anmerkte, dass ich trotzdem nass geworden sei. 

Die Jubiläumsausgabe allerdings nicht. Die hat immer noch trocken in meinem Fahrradkorb gelegen. Mein Deutsch-Lehrer hatte also doch recht, als er behauptete, einige Werke seien unvergänglich, nichts könne ihnen etwas anhaben. 

Möglich wäre es jedenfalls. Denn Kishons Satiren über jüdisches Pokern, über lange Schlangen vor Büros, eingerichtet zur Vermeidung von kürzeren Schlangen vor anderen Büros, und die Unfähigkeit israelischer Handwerker, so viele Schrauben zu verwenden wie Bauteile Schraubenlöcher haben, lassen die Augen vom Lachen feucht werden, aber nicht das Buch als solches - nicht einmal bei Regen.

Das weiß ich zu schätzen - wie jetzt auch umso mehr das Kompliment einer Leserin, die behauptet hat, manche meiner Beiträge hätten durchaus Kishon-Qualitäten, damit meinte sie "Ich packe mein Buch", "Zerstreutes Wohnen-Ratgeber für alle ab 70" und "Die Trump-Bibel"

Derart ermutigt habe ich mich nach dem Regen noch einmal auf mein Rad geschwungen, im Korb lagen Kishon und Tjaden. Ich schickte der "Neuen Presse" von Großburgwedel aus ein Rezensionsexemplar. Nach Hause zurückgekehrt, stellte ich fest: Im Fahrradkorb lag noch die Trump-Bibel. Es könnte also sein, dass die "Neue Presse" das Buch lobt, das ich ihr geschickt habe...

Anschau-bar

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