Sonntag, 9. November 2014

Tjaden tappt (XVIII)

Der Mauerfall: Merkel in der Sauna - ich im Auto

"In diesem Jahr feiert die Deutsche Demokratische Republik ihren 25. Geburtstag. Am 7. Oktober 1949 trat sie ins Leben. An diesem Tag schufen sich deutsche Arbeiter und Bauern ihren eigenen Staat. Wilhelm Pieck, Mitkämpfer von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Ernst Thälmann wurde ihr erster Präsident.

Unter Führung der geeinten marxistisch-leninistischen Partei der Arbeiterklasse, der SED, ist die DDR zu einem stabilen, angesehenen sozialistischen Staat geworden."

Schreibt der Parteivorstand der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) vor 40 Jahren in einer internen Schulungsbroschüre. Der Titel lautet "25 Jahre DDR - Der reale Sozialismus und die Auswirkungen auf die Kampfbedingungen der Arbeiterklasse in der BRD".

15 Jahre später wird dieser Staat per friedlicher Revolution wieder abgeschafft. Wie Angela Merkel - sie ist mit einer Freundin in der Sauna gewesen - weiß natürlich auch ich, wo ich am 9. November 1989 gewesen bin. Ich saß in meinem Auto, hörte Radio, eine Ost-Berlinerin erzählte, dass sie ihren Mann nicht wach bekommen habe, deshalb sei sie allein nach West-Berlin gegangen. "Mein Mann wird staunen, wenn ich ihm das morgen berichte", sagte sie. Am 9. November 1989 haben DDR-Bürgerinnen also nicht nur in der Sauna gesessen, zumindest ein DDR-Bürger hat den Mauerfall verschlafen. Den Seinen gibt es die friedliche Revolution im Schlaf...

1986 bin ich das erste Mal in der DDR gewesen. In Dittersdorf. Junge Leute knatterten auf ihren Mopeds aufgeregt in ein Nachbardorf. Dort gab es die erste private Eisdiele. Eine junge Frau erzählte mir, dass sie nicht studieren dürfe, weil sie Christin sei. Ihre Mutter war stolz darauf, dass sie noch nie ein Wahllokal betreten hatte: "Die kommen nach Schließung der Wahllokale immer zu uns und fordern uns zur Stimmabgabe auf." Ich wurde gefragt, was aus der DDR wird. Ich antwortete: "Die könnt ihr in ein paar Jahren vergessen. Vorher wird aber noch Egon Krenz Staatsratsvorsitzender." "Das ist aber kein Gorbi", sagte jemand.

"Sozialismus - das heißt Frieden, Freiheit, Wohlstand für die arbeitenden Menschen, für das Volk. Alles, was den Sozialismus stärkt, dient der Arbeiterklasse und dem Freiheitskampf der Völker in der ganzen Welt, dient dem Frieden und der Entspannung.

Deshalb ist der 25. Geburtstag der DDR, den sie mit neuen Erfolgen und neuen Vorhaben bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft begeht, ein Feiertag auch für jeden Kommunisten, für jeden fortschrittlichen und friedliebenden Menschen in der Bundesrepublik."

Endet die Schulungsbroschüre der Deutschen Kommunistischen Partei. Das Ende der DDR hätte die DKP eigentlich auch erahnen können, denn 1973 hat der Parteivorstand eine Schulungsbroschüre mit dem Titel "Arbeiterklasse und Freiheit" veröffentlicht. Darin hieß es: "Das Wort Freiheit ist nicht das einzige, das so häufig mißbraucht wird. Auch den Begriffen gut, wahr, menschlich, demokratisch - um nur einige zu nennen - geht es ebenso." Bis die Leute auf die Straße gehen...

Ich habe eine Broschüre über diese Zeit geschrieben. Sie heißt "Ein anderer deutscher Herbst" und ist bei www.lulu.com erschienen. Hier klicken Ein Exemplar gab ich vor einigen Wochen dem Geschäftsführer des Burgdorfer Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV), Gerhard Bleich, und schlug einen Lese- und Diskussionsabend vor. Seine Antwort: "Glauben Sie, dass sich dafür noch jemand interessiert?" Dennoch wolle er mit dem VVV über meinen Vorschlag diskutieren. Das war es dann zu diesem Thema...






1 Kommentar:

  1. schade, dass es die abend nicht gegeben hat. deine broschüre ist nämlich klasse. b. und s.

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