Tjaden tappt (500)

Vorige Woche noch ein Superheld. 
Wissenschaftler werfen sich "Bild" selbst zum Fraß vor

Viele Kinder und Eltern ersehnen einen normaleren Schulbetrieb, die Studie wirkte dagegen wie eine Mahnung. “Bild” kritisiert sie als “grob falsch”, woraufhin sich wieder die Wissenschaftler, die “Bild” zitiert, von dem Bericht distanzieren.

Von der Art der Berichterstattung würde auch ich mich distanzieren. Aber es ist auch schwer, zwischen berechtigter Kritik und dem, was dann medial daraus gemacht wird, zu trennen. Am Ende jedenfalls spielen die fünf Statistiker, Kollege Drosten und ich in einem Team, nämlich im Team Wissenschaft. Am Ende des Tages sind wir ein Stand, und wir werden auch am Ende zusammenstehen. Ich fühle mit ihm, das ist eine sehr unangenehme Situation, in der er sich befindet.


Sagt der Virologe Hendrik Streeck von der Bonner Universität  in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)

Mit dieser "unangenehmen Situation" hätten aber alle Wissenschaftler, die sich mit dem Corona-Virus beschäftigen, rechnen müssen. Sie haben sich sofort vor die Mikrophone zerren lassen, sind von Talkshow zu Talkshow geeilt, gaben auch spekulative Erklärungen ab und wurden von der "Bild"-Zeitung als die neuen Superhelden entdeckt, die dieses Blatt braucht, um ihren Leserinnen und Lesern auch ein schwieriges Thema schmackhaft zu machen. 

Als das geschah, hätten sich die Wissenschaftler endlich wieder in Zurückhaltung üben müssen. Doch sie fühlten sich offenbar geschmeichelt. "Bild" schmeichelt aber nie lange. Denn Superhelden auf der einen und ein Virus, das diese Superhelden besiegen wollen, auf der anderen Seite ist irgendwann für dieses Blatt nicht mehr spannend genug, entweder müssen die Superhelden nach einer gewissen Zeit das Virus besiegen oder sie werden selbst zur Gefahr erklärt.

Tatsachen sind für "Bild" schon immer eher zweitrangig gewesen. Deshalb wird sich dieses Blatt auch an dem Vorwurf falscher Zitate nicht stören. Falsche Zitate gehören zum Geschäft und entsprechen letzten Endes den Erwartungen der Leserinnen und Leser. Dass "Bild" korrekt berichtet, steht gar nicht auf deren Wunschliste, dass "Bild" wieder einmal in aller Munde ist, dürfte den Springer-Verlag freuen.  

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