Tjaden tappt (526)

"Die Zeit", 6. August 2020, Seite 27
Im Herbst führen wir alle Tagebuch

Dann wird es warm in der guten Stube. Doch erst einmal: Christian Drosten lebt noch. Heute veröffentlicht die Wochenzeitung "Die Zeit" einen Gastbeitrag dieses Virologen. "Einer der weltweit angesehensten Corona-Experten" hat laut Überschrift "einen Plan für den Herbst". Das schon einmal vorweg: Oma Heidi, die in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebt  und nur noch selten Besuch bekommt, gehört für Drosten zum "Restrisiko". Heißt: Wenn die zweite Corona-Welle über Deutschland hinwegschwappt, kann sie bei der Bekämpfung des Corona-Virus´ vernachlässigt werden. Wichtig sind für ihn nur die Cluster. 

Unter Cluster versteht man eine "als einheitliches Ganzes zu betrachtende Menge von Einzelteilchen", in der Medizin sind das Krebszellen, für Christian Drosten Infizierte, die mehr als einen Gesunden anstecken.  Die müssten, so dieser "angesehene Virologe", im Herbst aufgespürt und isoliert werden. Nun wird es in diesem Beitrag endlich warm in der guten Stube.

In der sitzen ab Oktober abends Mutter, Vater, Sohn und Tochter und führen ein Corona-Tagebuch, in dem sie festhalten, mit wem sie an diesem Tag Kontakt gehabt haben.  Erst einmal schreiben Mutter, Vater, Sohn und Tochter in ihre Tagebücher: "Ich hatte heute um 7 Uhr den ersten Kontakt mit meinem Mann, Sohn und Tochter", "meiner Frau, Sohn und Tochter", "Mutter, Vater und Schwester", "Mutter, Vater und Bruder". 

Haben Mutter, Vater, Sohn und Tochter zu verschiedenen Zeiten die Wohnung verlassen, muss natürlich auch das vermerkt werden: "Ich hatte heute bis 7.30 Uhr Kontakt mit meiner Frau, meinem Sohn und meiner Tochter", "Ich hatte heute bis 7.30 Uhr Kontakt mit meinem Mann, bis 7.40 Uhr mit meinem Sohn und bis 7.45 Uhr mit meiner Tochter", "Ich hatte heute bis 7.30 Uhr Kontakt mit meinem Vater, bis 7.40 Uhr mit meiner Mutter und meiner Schwester ", "Ich hatte heute bis 7.30 Uhr Kontakt mit meinem Vater, bis 7.40 Uhr mit meinem Bruder und bis 7.45 Uhr mit meiner Mutter."

"Diesen Weg müssen alle verstehen und mittragen", schreibt Christian Drosten in seinem Gastbeitrag. Aber klar. 

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