Sonntag, 18. Dezember 2016

Tjaden tappt (189)

Die Spinne Langeweile.
Sonntags in der kleinen Stadt Burgwedel

"Wenn die Spinne Langeweile Fäden spinnt und ohne Eile giftig-grau die Wand hoch kriecht, wenn´s blank und frisch gebadet riecht, dann bringt mich keiner auf die Straße", hat Franz Josef Degenhardt in einem Lied aus dem Jahre 1965 den "Deutschen Sonntag" irgendwie gefürchtet. Doch "Väterchen Franz" kannte Burgwedel wohl nicht, vermutete ich heute, als ich mit dem Rad nach Großburgwedel fuhr, um in einer Tankstelle Kaffee zu trinken. Das war so was von besinnlich.

Als ich meinen Kaffee an einem Stehtisch schlürfte, blätterte ich in den "Burgwedeler Nachrichten", die keineswegs giftig-grau waren, sondern irgendwie doppelt. Wohl um zu testen, ob ich tatsächlich schon wach war, meldete die Redaktion gleich zweimal, wo in Wettmar Silvester gefeiert wird. Zur besseren Übersicht standen diese Nachrichten nicht nur auf derselben Seite, sondern auch noch beieinander, einmal als Einspalter, einmal als Zweispalter.

Der Burgwedeler, der in die Tankstelle kam, um Hörnchen zu kaufen, roch keineswegs blank und frisch gebadet. Er war direkt aus seinem Bett in die Tankstelle gefallen, in seinen Pantoffeln erinnerte er mich doch sehr stark an "Dittsche". Wirklich wahre Geschichten aus dem Leben erzählte er jedoch nicht, dazu war er noch nicht munter genug, wie es schien.

Auf dem Rückweg näherte ich mich vorsichtig einem Hundebesitzer, der seine beiden Hunde auf die Straße bekommen hatte. "Halten Ihre Hunde die Richtung?", fragte ich, bevor ich zum Überholen ansetzte. "Das weiß man nie", antwortete das Herrchen des kleinen und des großen Hundes. Ich hätte nicht fragen sollen, kam aber trotzdem wohlbehalten wieder zuhause an.

Nun deck´ ich wie "Väterchen Franz" vor 51 Jahren Bein´ mit Beine, hocke aber nicht am Fenster, sondern vor dem Computer und verfolge im Live-Ticker das Spiel der Roten gegen Sandhausen. Hoffentlich ohne Spinne Langeweile... 










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