Tjaden tappt (68)

Unternehmer schwanken durch das Internet

Das Unternehmer-Publikum im Burgdorfer StadtHaus soll zwischen nachdenklichem Schweigen und aufgeregten Diskussionen geschwankt haben. Diesen Erfolg hat sich Professor Dr. Ewald Wessling von der Hochschule Hannover auf die Vortrags-Fahnen geschrieben. Berichtet sogar eine Wochenzeitung, die bis heute keinen tollen Internet-Auftritt hinbekommen hat. 

Ewald Wessling hält die "Revolution 2.0" trotzdem für derart unaufhaltsam, dass schon bald Anbieter von Babysachen Frauen bei Facebook mit Werbung versorgen, bevor sie schwanger geworden sind. Die Datenmengen aus den sozialen Netzwerken sollen also seherische Fähigkeiten fördern, die nicht einmal Wahrsagerinnen und Wahrsager, Kartenlegerinnen und Kartenleger haben.

Obwohl sich unglaublich viele Nutzerinnen und Nutzer sozialer Netzwerke in die privaten Karten schauen lassen und alles posten, was sie planen oder geplant haben, Hinweise auf eine Schwangerschaft vor der Schwangerschaft postet niemand. Diese These des Professors dürfte also nur eine gewollte Übertreibung sein.

Ewald Wessling beschäftigt sich an der Hochschule Hannover mit neuen Kommunikationsformen möglicherweise nur, weil die alten Kommunikationsformen an dieser Hochschule gelegentlich zu Streit und Zoff führen. Wer würde sich da nicht eine bessere digitale Welt wünschen? Doch das wäre Religion 2.0.

Mit der Unaufhaltsamkeit ist es so eine Sache, auch sie ist aufhaltsam. Die digitale Welt existiert schließlich nicht aus sich selbst heraus. In ihr bewegen sich Menschen. Je mehr von ihnen den Verstand einschalten, wenn sie den Computer einschalten, desto schneller gleichen sich die Welten an. Das gilt übrigens auch, wenn Menschen ihren Verstand nicht einschalten und sich in der digitalen Welt als Rüpel, Hetzer und Nervensägen entpuppen, die es besonders toll treiben, weil sie meinen, in der anderen Welt nicht erwischt zu werden.

Wer das Internet als Ergänzung und nicht als Ersatz versteht, kann auch der Revolution 2.0 trotzen und Aufmerksamkeit erregen, weil die Dosis stimmt. Die richtige Dosis wäre die richtige Antwort auf riesige Datenmengen, die zu einer Datenflut führen, in der immer mehr Menschen ertrinken, weil sie nicht einmal mehr mit einer Suchmaschine den Internet-Boden unter den digitalen Füßen finden.        

  

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