Tjaden tappt (556)

Stephan Russ-
Mohl kennt sich
mit Medien aus.
Foto: Wikipedia

Und täglich grüßt das Corona-Virus

Bei mir springt nie morgens um 6 Uhr der Radiowecker an, ich stehe immer erst auf, wenn ich wach bin. Auf mich wartet auch kein Murmeltier, sondern das Corona-Virus, sobald ich zur Nachrichten-Zeit das Radio einschalte, im Supermarkt die Schlagzeilen der Zeitungen lese oder mich versehentlich in eine Talkshow zappe. Deswegen drehe ich immer häufiger dem Nachrichtensprecher oder der Nachrichtensprecherin den Ton ab, kaufe Zeitungen nur noch, wenn zumindest auf der Titelseite nichts über Corona steht und meide jede Talkshow.

"Es ist nicht gut, wenn Corona den Blick auf alles andere verdrängt. Es gibt übrigens inzwischen auch - vermutlich sogar zunehmend - News-Verweigerer", scheint mich der Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl zu kennen. Der 70-Jährige ist Autor mehrerer Bücher über Journalismus und lehrt an der Universität Lugano, von 1985 bis 2001 war er Publizistik-Professor an der Freien Universität Berlin. In der heutigen Ausgabe hat die "Berliner Morgenpost" ein Interview mit ihm veröffentlicht. 

Worum es den Medien bei der Corona-Berichterstattung in erster Linie geht, machen diese Einlassungen des Redakteurs Manfred Lachniet deutlich: "Die hohen Klickzahlen machen deutlich, dass die Geschichten sehr oft gelesen werden...", "Es ist doch gut, dass die Menschen während der Pandemie wieder stärker Tageszeitungen lesen...", "Gleichwohl registrieren wir Medien, dass die Nachfrage nach Corona-Berichterstattung groß ist. Dann muss man auch liefern".

Eigentlich dient ein Interview nicht dazu, dass man erfährt, was der Redakteur meint, gefragt sein sollte die Meinung des Interviewpartners, die dieser frei äußern darf. Das macht der Professor trotz aller Versuche, seine Äußerungen zu beeinflussen. Dafür fängt er sich diese Schlussfrage ein: "Wie kommen Sie damit klar, dass Ihre Medienkritik nun von ganz Rechts - wie jetzt von der AfD im Bundestag - oder Corona-Leugnern geteilt wird?"

Im Sportteil der "Berliner Morgenpost" heißt es, dass Union Berlin morgen Abend "mit Hoffnung" in Hoffenheim antreten kann. Schreibt der Redakteur Michael Färber. Wie käme er damit zurecht, wenn auch AfD-Anhängerinnen und AfD-Anhänger diese Hoffnung teilten?

 


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