Freitag, 8. Januar 2016

Tjaden tappt (84)

Kürzlich in der HAZ-/NP-
Beilagenredaktion 
Eigenständiges Rechnen wird nicht vorausgesetzt

Von "Bild" lernen, ist journalistischer Alltag. Dienstag meldete das Springer-Blatt: "700 Euro mehr für EU-Chef Juncker". Im Text stand, dass es 699 Euro sind. Donnerstag meldete eine lokale Beilage von HAZ und NP: "Fast 500 Menschen mehr als 2014 gezählt." Im Text stand, dass es in Burgdorf 489 sind. 

Unterschiede in der Berichterstattung sind aber noch vorhanden. "Bild" hat am Dienstag ihren Leserinnen und Leser nicht vorgerechnet, dass 31 272 Euro für Juncker 699 Euro mehr sind als 30 573 Euro. 

Die HAZ-/NP-Beilage dagegen setzt eigenständiges Rechnen bei ihren Leserinnen und Lesern nicht voraus. Sie rechnet vor: In Hülptingsen haben Ende 2015 1279 Menschen gelebt, "das waren 180 mehr als im Januar 2015". Dazu gehörten 140 Flüchtlinge. Ziehe man diese 140 von den 180 ab, komme man auf 40. Nicht alle Leserinnen und Leser, vermute ich, aber die meisten wohl. 

Und weiter im HAZ-/NP-Beilagen-Text: "Die Kernstadt zählt...die meisten Einwohner. Am 31. Dezember 2015 wohnten dort 22 409 Menschen. Das ist ein Plus von 212 oder ein Prozent seit Januar 2015." Das rechnen wir einmal nach: Wenn 212 ein Prozent ist, dann sind 21 200 100 Prozent. Verstehen Sie nun, warum die HAZ-/NP-Beilage bei ihren Leserinnen und Lesern eigenständiges Rechnen nicht voraussetzt?

In einem Bilderbuch mit dem Titel "Wenn Zahlen Streit bekommen" schildere ich Kindern die Grundrechenarten auf amüsante Art. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Bilderbuch auch für die Redaktion der HAZ/NP-Beilage geeignet wäre...Also, hier e-Book bestellen.  






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