Donnerstag, 4. Februar 2016

Tjaden tappt (91)

Mainz-Laubenheim.
4. Februar 1976, Mainz-Laubenheim

"Komm bitte zu mir. M." Fast dreieinhalb Jahre nach der Trennung bekomme ich von ihr dieses Telegramm in Mainz-Laubenheim. Fünf Wörter. Mehr wären teurer gewesen. 

Ein brauner Briefumschlag in meinem Briefkasten aus verwittertem Holz, der an einem großen Holztor hängt. Das Holztor gehört zu einer ehemaligen Bischoffs-Residenz, dicke Mauern, Eichenfußboden, hohe Zimmer, vor jeder Zimmertür eine Stufe. Hinten rechts meine Studentenbude mit Fenster zur Hans-Zöller-Straße, gegenüber ein kleiner Laden für die morgendlichen Brötchen, die ich per Zuruf am Fenster stehend gereicht bekomme. Wenn nicht gerade der Bus vorbeikommt, Lärm machend auf dem Kopfsteinpflaster. Die nächste Haltestelle hinter einem kleinen Platz mit Brunnen, wo ich jeden Morgen einem Mädchen begegne, das mich anschaut und ich dieses Mädchen, doch nie wechseln wir ein Wort miteinander, dennoch sind wir froh, wenn wir uns täglich an dieser Haltestelle begegnen. Das goldene Mainz, in diesem Stadtteil, der einmal ein Weindorf gewesen ist, unglaublich schön.

"Komm bitte zu mir, M." 4. Februar 1976. Ich nehme den nächsten Zug nach Hannover, fahre mit der Stadtbahn nach Linden-Süd, klingele an ihrer Tür. Wiedersehen nach dreieinhalb Jahren. Sie hat gerade das chinesische Horoskop studiert, erklärt es mir, sagt: "Wir passen gar nicht zueinander." 

Gut drei Jahre später hält sie auf der Geibelstraße um meine Hand an, wir sind auf dem Weg zu ihrer Oma, die in einer Senioren-Wohnanlage lebt: "'Wir überraschen Oma mit der Nachricht, dass wir heiraten." Machen wir am 7. September 1979. 4. 2. 1976, 7. 9. 79. Bleiben zwei wichtige Tage in meinem Leben. 

Jahre später, in einer anderen Stadt, höre ich Grönemeyers Lied "Ich hab dich lieb". Dabei denke ich an M. Die Stadt, in der ich zu der Zeit lebe, ist die falsche Stadt für mich. Deswegen kehre ich in die Region Hannover zurück. Ich bin auch schon in Mainz gewesen. In Mainz-Laubenheim. Auf den Spuren meiner Studentenzeit. In der "Goldenen Ente" trinke ich ein Glas Wein. Den Wirt von damals gibt es nicht mehr. Der hat mir sogar dann etwas von der Speisekarte serviert, wenn meine Geldbörse leer war. "Du darfst mir doch nicht vom Fleisch fallen und irgendwann bekomme ich das Geld schon von dir."

4. Februar 2016. 40 Jahre später scheinen meine Broschüren "Wenn Zahlen Streit bekommen" und "Tjaden tappt durch den Altkreis Burgdorf" ein Erfolg zu werden. Hier klicken

  

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