Ein Jagdterrier

Verkaufsoffener Sonntag in
Burgdorf.


Entdeckt die erste Gemeinsamkeit

Als Jagdterrier suche ich nie das Trennende, sondern immer nur den Fressnapf. So geht es auch den Sachpreisen, die laut "Neue Woche" vom 8./9. März 2014 nach einem Spieleabend des Tennis-Clubs Grün-Gelb Burgdorf  an die Siegerinnen und Sieger verteilt worden sind. Verteilt wurden demnach "überwiegend kulinarisch orientierte Sachpreise" - und zwar in den "Disziplinen Doppelkopf, Skat, Kniffel und Rommee". Mit der Disziplin habe ich es allerdings nicht so, wenn ich kulinarisch orientiert bin - und das bin ich den ganzen Tag.

Die "Neue Woche" las ich auch an diesem Sonntag in Burgdorf. Die Stadt war verkaufsoffen und meine Ohren waren ebenfalls für jede Meldung dieser Wochenzeitung offen, die auf Seite 3 nicht nur über "kulinarisch orientierte Sachpreise" berichtete, sondern auch über einen 105-jährigen Heimbewohner aus Dachtmissen, der an seinem Geburtstag trotzdem "keine 100 Kerzen" bekam, sondern "eine große". Ob bei dieser Großen ebenfalls fünf Teile fehlten, verriet die "Neue Woche" nicht, nur so viel: "...und das Gesicht des Jubilars strahlte mindestens ebenso hell." Strahlte so hell wie was?

Mir dagegen verging in Burgdorf das Strahlen. Als bildhübscher Jagdterrier habe ich mich bislang überall in den Mittelpunkt gepfotet, niemand würdigte den Heini am anderen Ende der Leine, also diesen Heinz-Peter Tjaden, auch nur eines Blickes. Das war an diesem Sonntag anders. Alle grüßten diesen Heini und freuten sich angeblich ihn zu sehen - niemand schob mir ein Leckerli zwischen die Zähne. Ich war also vergeblich kulinarisch orientiert.

Dieses Burgdorf ist offenbar ein seltsames Städtchen. Dort sind nicht nur die Sachpreise kulinarisch orientiert, dort hat ein 105-Jähriger nicht nur 100 Kerzen auf der Torte, sondern gar keine, dort werden auch alle Vorhänge geöffnet, wenn ein Theater gastiert. Steht ebenfalls auf Seite 3 der "Neuen Woche". Kaum erscheint jemand auf einer Bühne, rennen alle Burgdorferinnen und Burgdorfer durch ihre Häuser und Wohnungen, um alle Vorhänge zu öffnen. Glauben Sie nicht? Ein gewisser Johnny B. macht das laut "Neue Woche" jedenfalls. Las ich ebenfalls auf Seite 3: "Johnny B. öffnet seine Vorhänge für die Vorstellung ´Benny passt auf´..."

Dann kam schon wieder jemand, der mit diesem Heini am anderen Ende der Leine plaudern wollte. Dafür öffnete ich nicht alle Vorhänge - ich schloss meine Augen.

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