Freitag, 3. Juli 2015

Tjaden tappt (XXXIX)

Ein Mädchen names Nedeida

Sie trägt ein buntes Röckchen. Dazu eine weiße Bluse. Sie setzt sich zu mir auf die Bank. Fragt: "Darf ich deinen Hund festhalten?" Darf sie: "Du musst ihn mir aber zurückgeben." Sie nickt. Sie fragt mich, ob ich zuhause Kassetten habe. Schaut mich an, ihre hellblauen Augen strahlen: "Du siehst aus wie ein Kapitän." Ich ziehe ihr die Mütze ins Gesicht. Sie zieht sie wieder hoch. Ich frage sie: "Wie heißt du?" "Nedeida", antwortet sie. "Und du?" "Peter", antworte ich. Der Bus kommt. Sie steht auf, gibt mir die Hundeleine, geht mit ihrer Mutter zum Bus, dreht sich um: "Wir sehen uns wieder." Sie ist drei oder vier Jahre alt, ihre Mutter hat einen osteuropäischen Akzent.

Auf dem Nachhauseweg denke ich, dass ich dieses Mädchen nie getroffen hätte, wenn es in Europa immer noch den "Eisernen Vorhang" geben würde. Wie oft wird doch das Große im Kleinen sichtbar - und wie oft übersehen wir es...

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