Sonntag, 5. Februar 2017

Tjaden tappt (186)

Martin Schulz am Wahlabend?
Das Rätsel Martin Schulz

Motivationstrainer, Politologen, Psychologen, Journalisten - alle scheinen vor einem Rätsel zu stehen, das sie unbedingt schnell lösen wollen. Das Rätsel heißt Martin Schulz. Die Frage lautet: Kann der Kanzler werden? Kann er, weil er es will. Wie seinerzeit Gerhard Schröder.

In einer einzigen Woche hat Martin Schulz die SPD aus der GroKo-Langeweile befreit, bei Interviews gibt er der Partei mit klaren Aussagen ein Profil, das sie lange nicht gehabt hat. Der Mann wirft keine Gräfinnen in den Swimmingpool wie Rudolf Scharping, der die Leute schon eingeschläfert hat, bevor er den ersten Satz sagte, der wirkt nicht wie die Prinzessin auf der Erbse, die von Peer Steinbrück auch noch sehr schlecht gespielt wurde, der gleicht keinem Teekessel, der in jedem Moment auf dem Herd explodieren kann wie Sigmar Gabriel, der das Aufräumen in der Küche Mutti überlassen hat.

In einer einzigen Woche springen die Umfragewerte der SPD auf 28 Prozent, viele halten ihn schon für den besseren Kanzler als Angela Merkel, die derzeit mit der CSU-Spitze die Köpfe zusammensteckt und nur noch einen Ausweg sieht: Wie schon früher bei vielen Wahlkämpfen ein Gespenst an die Wand malen, damit die Wählerinnen und Wähler wie weiland angeblich Martin Luther zum Tintenfass greifen, damit die Wand wieder schwarz wird.

In einem einzigen Gespräch hat Martin Schulz Anne Will mit ihren vorgestanzten Fragen derart ins Schleudern gebracht, dass sie wohl am liebsten das Studio verlassen hätte, um sich nicht noch weiter zu blamieren. Keine Regierungserfahrung? Dann bin ich eben wie Barack Obama. Wofür stehen Sie eigentlich? Es reicht doch, dass ich hier sitze, stellen Sie doch einfach Ihre Fragen. Das hat eigentlich nur Gregor Gysi gekonnt: Die Gesprächsführung übernehmen - und niemand ist deswegen böse-nur Anne Will...

Martin Schulz wird sich das klare Denken nicht verbieten lassen. Das hat er nicht in der Knesseth getan, das hat er nicht im Europäischen Parlament getan, das hat er nicht gegenüber Erdogan getan. Das wirkt erfrischender als die Absichtserklärungen im vorigen Jahr zum Flüchtlingsthema, als uns die GroKo versicherte, man werde die Fluchtursachen bekämpfen. Und was ist geschehen? Fehlende Flüchtlingslager in Nordafrika mutieren inzwischen zu Fluchtursachen. Wer in einem Lager ist, ist kein Flüchtling mehr?

Siehe auch: Schulz-Schock für Merkel
   




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